14.2.1946

Herrn

Dr.Gerald MARTIN ( 16) Büdesheim/Obh

Bahnhofstrasse bei

OTTO

Sehr geehrter Herr Martini

Haben Sie besten Dank f : ir Ihren Brief vom 17.1.46, den ich end­lich vom Bett aus erledigen will.

Zuerst mein herzliches Beileid zu den schweren Schicksalsschla­gen , von denen Sie und die Ihren betroffen worden sind.

Sie haben innerhalb weniger Tage den Vater und den Bruder ver­loren Wenn Sie auch seit langem ohne jede Nachricht von Ihrem Herrn Bruder waren, so konnten Sie doch immer noch die Hoffnung haben, dass er lebend sich in russischer Gefangenschaft befindet. Nun ist leider Ihre Hoffnung auf eine Wiederkehr genommen worden. Geberall, in jeder Familie hat dieser unselige Krieg grausame Funden geschlagen. Man darf nicht darüber nachdenken, sonst könnte man schier verzweifeln. Nur die Arbeit kann uns über den Kummer, die Sorgen und Nöten hinweg= bringen.

Nun zurlhren Fragen: Wie Sie wissen, sind unsere Zeitschriften Bestände noch in den Ausweichlagern- Da ich nicht weiß, was auf der Glauburg vernichtet worden ist, läßt sich überhaupt nicht sagen, was an Beständen von "Natur und Museum" (1930 und früher) vorhanden ist. ich fürchte, es wird nicht mehr viel sein.