Vorgeschichtlich vT 1 Fund im Bad der Kampfflieger.
PK. Italien. - Oft,, -wenn die Kampfflieger hei rotem Landwein zusammensitzen, kommt das Gespräch auf den Zauberwald von F. und seine Geheimnisse drunten im sonnendurchglüht n Apulien. Tag für Tag starteten damals unsere du 88^gegen den Feinds der ebenso regelmässig seine Lightnmgs vorschickte. Unberührt von Kriegsl’rm und Todesnot aber rauschten die uralten Kork- und Steineichen des Forstes, in dem einst Kaiser Friedrich II. pirschte. Vielleicht, dass in dem nahen Kastell das berühmte Buch des genialen Hohenstaufen über die Falkenjagd geschri ben wurde.
Das Schönste aber war die Badeanlage, die fl^issige Hände in den schmalen Fluss gebaut hatten. Ob Flugzeugführer oder Mechaniker, - jeder, der ab nds müde und staubbedeckt vom Platz zurückkehrte, freute sich auf das Bad an der. eiskalten Quellen, die an dieser Stelle zuströmten. Die sengende Hitze des Tag s wich erfrischender Kühle. Ein r s Ab^nis, als zwei Kamerad n badeten, entdeckten sie, dass zwei Meter über der Sohle des Flusses, der 'hier eine Steilwand bildete, e n Fussknochen herausragte. Die beiden E^dat n aren einsichtsvoll genug, den überraschenden Fund vorläufig unbe- zu lassen, und verständigten den Geschwadermeteorologen, der mit Hilfe eines Obergefreiten, der Student der V°rsteinerungskunie ist, am nächsten Morgen die Bergung vornahm.
Für einige Stunden war der Krieg vergessen; sie waren nur noch Wissenschaftler, als sie vorsichtig die tonige Lehmerde abhoben, die durch Jahrtausende hindurch das Skelett eines vorgeschichtlichen Menschen vor der Vernichtung bewahrt hatte. Das gesamte Knochengerüst war gut rhalten.
Kein Schädelknochen fehlte; selbst di.e Zähne vr-rr. noch vorhanden. Daneben lagen roh bearbeitete St ein -werk zeuge, plumpe Faustkeile und 8- eers itzen. Einen Met^r entfernt d&von -stiessen die beiden Forscher auf das völlig erhaltene Sk lett eines Urrindes sowie auf gefärbte Topfseherben. Weitere Knochenfunde bewiesen, dass die deutrchen Soldaten hier eine vorgeschichtliche Grabanlage entdeckt hatten. Das menschliche Skelett mochte nur wenig jünger als der Neandertaler sein. Es wurden sorgfältige Lages'kizzen mit Numerierung der einzelnen Schädelteile angefertigt und die Knochen säuberlich registriert. Gut ver.aekt und aufbe.'.-ahrt, sollen die Funde zu gegebei- ner Zeit dem naturhistorischen Svnckenberg-Museum in Frankfurt am Main ü- tuotf^iesen werden. •-- ' ~ ---—>— --.
Kriegsberichter Ludwig Doering.
»Kosmos». Heft 8. Jahr-gar*
l®43/44. A ril/Juni 1944. Seite 192.