Herrn Stadtrat Dr. K e 1 1 e r Fr ankfurt a/' laln
H/St.
13 . 10.45
Sehr geehrter Herr Stadt rat !
In Fortsetzung unseres am Dienstag geführten Gespräches erlaube ich mir Ihnen eine Anregung zu gehen und würde mich freuen, wenn diese von Ihnen gutgeheissen werden könnte.
Wir waren beide der Ansicht, dass Herr X im Gegensatz zu seinen Kollegen eine rühmliche Ausnahme macht und sich für die Belange der Stadt Frankfurt und deren kulturellen Einrichtungen voll und ganz einsetzt. ie ich Ihnen schon sagte, war der betreffende schon verschiedene hale so weit, die Arbeit niederzulegen, aber ich habe ihm immer wieder zugeredet und ihn zu einem Deiterverbleiben umstimmen können.
Run habe ich erfahren, dass der Betreffende sich an seinem jetzigen Posten finanziell sehr viel schlechter steht als früher. Darüber besteht natürlich immer die Gefahr, dass er sich durch sein tatkräftiges Eintreten für die deutschen Belange unliebsam macht und eines Tages herabgesetzt werden könnte. Um ihm einen gewissen Rückhalt zu geben, gestatte ich mir, Ihnen den Vorschlag zu unterbreiten, ob man ihn nicht als Studienrat an der Staut vertraglich anstellen könnte und ihm solange er in seiner jetzigen Stellung verbleibt, die Differenz zwischen seinem jetzigem Gehalt und dem eines Studienrates ausbezahlt.
Ich bin überzeugt, dass auf diese Weise der Stadt Fr ankf rt und darüber hinaus auch unserem lande wirksam geholfen und die kulturellen Einrichtungen gefördert werden könnten, menschlich und charakterlich sehe ich keine Schwierigkeiten.
Er hat durch die Annahme des Postens genügend bewiesen, dass er Vorteile in keiner Weise wie so viele andere gesucht, sondern dies alles zu Gunsten seines Volkes hintangestellt hat.
Ich würde mich aufrichtig freuen, wenn man meinen Vorschlag einer Prüfung unterziehen und zur Ausführung bringen könnte.
Eit den besten Grüssen
Ihr sehr ergebener
Prof. Dr. Heuling