Fräulein
Mario KAY3SER
(24) Hamburg-Sinstorf
Lienhof 5 c
Bei Herrn C.SCHARF
IV.11.1944
Liebes Fräulein Kaysserl
Besten Dank für Ihre Karte, hie mir leider wieder eine Unglücksbotschaft brachte. Sie werden aber auch rein von dem Schicksal verfolgt. Ich glaubte Sie dort oben einigermaßen in Sicherheit und nun ist das Gegenteil der Fall. Hoffentlich bleibt das Haus Ihres Herrn Bruders weiter bewohnbar und Sie können dort wieder bleiben.
Uns allen geht es hier trotz Schlamm sehr gut. Die - A .r= beiten an den letzten beiden Häuschen geht zur Zeit gut vorwärts, sodass Herr Triebei nächste J.oche einziehen kann. Frl .Schirner,
Frl.Perl und Herr Dr.Zilcfe. werden hoffentlich in 14 Tagen einziehen können.
Vtissen ^ie eigentlich, dass Frl.Krauß zur Flak einberufen worden ist? Sie wird zur Zeit in Deep a.d.Rega als Flakwaffenhelferin ausgebildet. Sie ist naturgemäß totunglücklich, muss sich dies aber selber zuschreiben, da sie, ohne nochmals mit mir Eück- spracne zu nehmen, der Einberufung Folge geleistet hat. Jetzt, da sie in Händen der V-ehrmacht ist, ist schwer etwas zu machen. Bisher haben alle meine Versuche zu keinem Erfolg geführt. Ich fürchte, dass die Freilassung nicht mehr zu erreichen sein wird.
Kissen Sie eigentlich, dass Fritz Hühl gefallen und der Sohn von Frau Lebeth vermißt ist? Sollten Sie an Frau Rühl einmal schreiben wollen, so finden Sie nachstehend die Anschrift: Frau Else Kühl, (16) Altenkirchen über V.eilburg/Lahn, Hauptstr.18.
Beim Angriff am 5.11.1944 haben wir im Museum Gott sei Dank nur einige Fensterscheiben verloren. Die nächste Bombe fiel in das Chemische Institut der Universität.
Vater Heinlein hat am 15.11.1944 das Zeitliche gesegnet.
Er ist sanft eingeschlafen. Er hat uas Jammertal hinter sich gebrach
Von ^rof.Richter haben wir noch keine Nachricht. Die Befürchtung, dass er nach Rußland verschleppt worden ist, verdichtet sich mehr unu mehr. Trifft diese Vermutung zu, so werden wir wohl auf die Dauer des A r i e g es keine Nachricht von ihm erhalten. Es ist fürchterlich!
So hat jeder seine Sorgen und Lasten. Keine Familie bleibt in dieser schweren Zeit verschont, keine Schwester mußß auch mit dem Tode ihres Mannes rechnen. Ueberall, nur Leid!
V.ir wünschen Ihnen alles Gute!
Mit den besten U rusgen Th