16.10.1944

Lieber Herr Weiler!

Besten Dank für Ihr Schreiben vom 13.10.1944. Bitte behalten Sie die Korrektur bis zum Erhalt einer weiteren Nachricht dort. Ich hoffe Ihnen in Kürze die Korrekturen der ersten Arbeit und die Abzüge von den Druckstöcken zureichen zu können.

Am 12.9. hat unser Museum leider wieder sehr schwere Schädan erlitten. Vom Strassenbau ist nun der 4. und 5.Stock restlos abgebrannt Vom Querbau auf der Westseite ist das 3.Stockwerk vernichtet worden.

Die in den einzelnen Stockwerken errichteten Trennwände sind-durch eine in unmittelbarer Nahe niedergegangenen Mine - sie hat das physiko­chemische Institut dem Boden vollkommen gleichgemacht- zum Einsturz ge­bracht worden.Die Raume stellen jetzt grosse Säle, mit Schutt und Asche angefullt, dar. Da unser Haus kein Dach mehr hat, kann der Fegen unge­hindert eindringen, sodass man Jetzt bereits in den Hörsälen den Regen­schirm aufspannen muss. Die Erstellung eines Notdaches wird von dem Bau­amt der Stadt im Hinblick auf den völligen Mangel von Bau-Material und Fehlen von Arbeitskräften als unmöglich bezeichnet. Wir müssen also taten los Zusehen, wie unser schönes Gebäude mehr und mehr zu Grunde kommt.

Ich weiss nicht, oh Sie inzwischen erfahren haben, dass Herr RICHTER von einer Dienstreise nach Rumänien nicht zurückgekehrt ist.

Wir sind ohne Jede Nachricht von und über ihn. Aue die Nachforschungs- Anträge beim Auswärtigen Amt, Kultusministerium, bei den Erdöl-Stellen