helmutu Lauffer Wissenschaftl. Zeichner

Weilderstadt (14a) Dem 16.August 1948

Mitglied d. Senck.Nat.Ges.

Nr. 3746

Sehr geehrter Herr Professor!

loa- Lade soeben in der neuesten Nummer des "Prisma" (Schweiz. Monats' sc^rift f. Natur, Forschung u. Technik) in der Rubrik : "Spektrum" eine sehr interessante Mitteilung gefunden.

Neue Moa-Funde

f^ach Beendigung einer erfolgreichen Expedition nach Neuseeland bringt Dr.

:obert Murphy, Leiter der Vogelabteilung des New Yorker American Museum of Natural hlstory, jetzt eine Sammlung von Moaskeletten naob Hause. Moas sind ausgestorbene, straussenäunlic^es,nichtfliegende Riesenvögel, die bis über drei Meter gxoss waren u. vermutlich eine Vierteltonne wogen. Die Skelette stammen aus einem neuseeländischem Sumpf, indem die Vögel versanken u. starben, vielleicht vor 100 000 Jahren oder früher. Dr. Murphy, seine Frau u. eine Gruppe neuseeländischer Wissenschaftler fanden auf einer fünfmona­tigen Forschungsreise in ein abgelegenes Gebiet des Landes insgesamt 22 Moa-Skelette sieben verschiedener Arten.. Alle Skelett waren fasst vollstän­dig. Bisher gab es in den Museen nur Skelette, die aus Teilen verschiedener Vögel zusammengesetzt waren, so dass diese Funde die enfTsen- authentischen vollständigen Moa-Skelette sein werden, die in einem Museum gezeigt werden. Es sind bis heute mindestens 30 verschiedene Moasspezies durch ih re Knochen identifiziert worden, aber'»ur eine dieser Arten ist noch von Menschen ge- jagu worden; alle anderen waren vorher längst ausgestorben. Der letzte Moa ist vermutlich um 1350 von eingeborenen Moaris erlegt,worden, lange bevor Eurpäer nach Neuseeland fcamen. Der Suppf bei Waikäri in der Provinz Canter- bury in South Island, indem die Funde gemacht wurden, ist offenbar eine

Schatzkammer für Paläontologen. uj e r fielen unzählige Vögel u, Insekten in eine tiefe Grube, die mit einer, weichen, tonartigen Masse erfüllt war, u.

blieben bis ö e ute fasst vollkommen erhalten . Murphy glaubt, dass ein syste­

matischer Abbau dieser Fundgrube einen vollkommenen Querschnitt des Vögel u~ Insektenlebens Neuseelands über Jahrtausende liegen dürfte.

Da mir bekannt ist, dass zwischen Ihrem Museum u. dem American Museum of Natural --istory besonders freundschaftliche Beziehungen bestehen, glaube ich, dass Ihr Museum vielleicht einige dieser Moa-Skelette bekommen kann, Oder ist es vielleicht auch möglich, dass das Senckenberg-Museum eine eigene Expedition nach Neuseeland mit T 'i.if e des American Museum of Natural ^istory ausrüsten kann. Dies wäre eine ausgezeichnete Idee. Die Sache mit diesem neuseeländischen Sumpf interessiert mich ungemein. Dies ist geradezu ein dankbares Arbeitsfeld für einen wissenschaftlichen Zeichner u. gerade des­wegen habe ich ein so grosses Interesse.

In Ihrem damaligen Schreiben vom 2.5.47 sagten Sie u.a, dass für mich z.zt. keine Möglichkeit besteht, in Ihrem Museum als wiss. Zeichner zu arbeiten. Darf ich nun fragen, ob hier eine Änderung eingetrtten ist? Falls dies nicht