/> ü rhen, Allgemeine A b s t a tn m u n g s l e h r e
Aus dem Vorwort
An Büchern über die Abstammun^stheorie ist gerade kein Mangel. Doch kann man nicht sagen, daß die Zahl der wirklich guten Bücher über dieses Problem groß sei. In vielen, vorab in den für weitere Kreise bestimmten, aber auch in anderen, herrscht eine erstaunliche Verwirrung der Begriffe. Auch muß man feststellen, daß in den meisten durchweg nur traditionell gewordene Anschauungen weitergegeben werden. Von dem kritischen Geiste der jüngsten Biologie ist in ihnen vielfach wenig oder gar nichts zu spüren.
Mit den Auswirkungen, welche die Abstammungstheorie in den verschiedenen Zweigen der Biologie hervorbrachte, hat die Ausgestaltung der Theorie selber nicht gleichen Schritt gehalten. Immer wieder werden Descendenztheorie und Darwinismus oder Descendenztheorie und Lamarckismus identifiziert; kaum irgendwo werden die Begriffe der Hypothese und naturwissenschaftlichen Theorie klar auseinandergehalten. Daß es rühmliche Ausnahmen gibt, soll damit nicht bestritten werden, aber der Gesamteindruck der fraglichen Literatur ist kein sehr erfreulicher. —
Ein vergebliches Bemühen würde es sein zu versuchen, diejenigen Kreise, welche in gewissen überlieferten Anschauungen über die Abstammung groß geworden sind, von der Irrtümlichkeit ihrer Auffassung zu überzeugen. Diese ältere Generation, mag sie der Fachwelt angehören, oder mag sie aus wissenschaftlich interessierten Laien bestehen, ist großenteils rettungslos der Tradition, die nicht selten Anspruch auf dogmatische Gültigkeit erhebt, verfallen. Aber dieser unkritische Traditionalismus wird von selbst mit dem Herän- wachsen einer neuen Generation verschwinden.
Pflicht des Forschers aber ist es, nicht nur im engeren Fachbereiche Kritik zu üben, sondern auch weiteren Kreisen Aufklärung zu bringen; es wäre verfehlt, die Popularisierung der Wissenschaft nur den Instanzen zweiter und dritter Ordnung zu überlassen. Und auch nur der Forscher selbst