Stempel!, Repetitorium der allgemeinen Zoologie
vor dem Physikum, Anatomie und Physiologie, wirklich ernst nimmt, tatsächlich sehr wenig Zeit übrig zum intensiven Studium der Zoologie und Botanik. In ganz ähnlicher Lage wie die Mediziner sind auch die Landwirtschaft Studierenden sowie alle, für die Zoologie mehr oder minder „Nebenfach“ ist. Und wenn man verhindern will, daß alle diese Studierenden zu den ja reichlich auf dem Büchermarkt angebotenen, oft von Nichtfachleuten geschriebenen und meist recht minderwertigen und veralteten Repetitorien der Zoologie oder gar zu dem Lehrbuch-Aufschnitt greifen, so muß man eben versuchen, ihnen ein für ihre speziellen Zwecke geeignetes, kleines Buch in die Hand zu geben, mag das Schreiben eines solchen Extraktes auch eine ebenso geringe Freude sein wie das Lesen. Aber ein Extrakt kann nun einmal keine wohlschmeckende Fleischbrühe sein!
Wenn ich diesen Versuch mache, so bin ich mir wohl bewußt, daß er eben nur ein Versuch und mit allen den Unvollkommenheiten behaftet ist, denen solche Versuche kaum entgehen können. „Multa, non multum“ oder „multum, non multa“, das ist hier die große Frage, die ich versucht habe, durch Ziehen einer mittleren Linie zu beantworten. Bei allem, was den Mediziner und Landwirtschaft-Studierenden angeht, wie z. B. bei den Parasiten, dürfte das „Multum“ angebracht sein, im übrigen muß man aber m. E. wenigstens versuchen, möglichst „Multa“ zu bieten, d. h. alle Zweige der Zoologie, wenn auch noch so kurz, zu Wort kommen zu lassen.
Zugrunde gelegt ist natürlich die Einteilung und Auffassung, die ich in meiner „Zoologie im Grundriß“ angewendet habe, und die sich nach den gemachten Erfahrungen ja bewährt zu haben scheint. Wo sich in Einzelheiten kleine Unterschiede finden, sind sie durch den auch in diesem Büchlein nach Kräften berücksichtigten Fortschritt der Forschung bedingt.
So hoffe ich, daß dieses Repetitorium neben einein Lehrbuch der Zoologie benutzt werden kann. Denn natürlich kann und soll ein Repetitorium niemals ein größeres Lehrbuch oder gar den mündlichen und praktischen Unterricht ersetzen. Das möchte ich auch den jungen Medizinern und Naturwissenschaftlern sagen, die im übrigen darüber entscheiden mögen, ob das Buch seinen Zweck erfüllt — wenn es auch natürlich nicht an zwei Nachmittagen „durchgearbeitet“ werden kann!
Münster i. W., im August 1928 und März 1929.
W. Stempell
Inhaltsverzeichnis
Seite
Einleitung . . . •. 1
A. Begriff und Umfang der Zoologie. 1
B. Methoden und Einteilung der Zoologie. 3
C. Geschichte der Zoologie. 3
1. Abschnitt: Der Bau und die Gestaltung der Tiere (Morphologie und Systematik). 4
A. Promorphologie. 4
I. Zellen- und Gewebelehre. 4
II. Baupläne der Tierkörper. 17
III. Individualitätsstufen und Tiergesellschaften. 19