von Buddenbrook, Bilder aus der Geschichte der biologischen Grundprobleme

Vorwort

Das kleine Werk, das ich hiermit der Öffentlichkeit übergehe, ist dem Wunsche entsprungen, das fast gänzlich entschwundene Inter­esse unserer studentischen Jugend für die geschichtliche Entwicklung der Biologie ein wenig zu heben. Die bisher in deutscher Sprache er­schienenen Werke über die Geschichte der Biologie sind entweder nach Stil und Art für den genannten Zweck nicht geeignet, oder sie sind, wie die Werke von Nordenskiöld und Radl, viel zu umfangreich, als daß sie der mit Fachwissen aller Art überreichlich geplagte Student noch lesen könnte. Ich habe es daher mit einigen Essays versucht, die, wie es sich von selbst versteht, den Stoff in keiner Weise er­schöpfen, vielleicht aber eine Art von Querschnitt durch das Gesamt­gebiet darstellen. Es ließ sich allerdings bei diesem Vorgehen nicht vermeiden, daß viele hervorragende Männer und ihr Werk keine Er­wähnung finden.

Das Buch ist mit acht Bildern bedeutender Naturforscher des 19. Jahrhunderts geschmückt.

Kiel, den 6. Dezember 1929

W. V. Buddenbrock

Einleitung

Die Beherrschung der Natur ist eins der wesentlichsten Ziele des Kulturmenschen. Führer auf diesem Wege sind neben den Er­findern technischer Neuheiten in erster Linie die Männer, die in stiller Gedankenarbeit die Gesetze der Natur enträtseln. Ihr äußeres Leben ist meist recht unansehnlich, aber ihr Wirken ist oft tiefer und nach­haltiger als das der blendenden Gestalten der Weltgeschichte, die wie leuchtende Meteore am Blicke ihrer Zeit vorüberziehen.

Der inneren Bedeutung der großen Entdecker entspricht keines­wegs ihre äußere Geltung. Besonders in unserer traditionslosen Zeit, die das Gestern über dem Heute zu vergessen liebt, ist die Ge-