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Fräuiein
E- B E N G L E R (16) Eschenau über Limburg
14.10.1944
Sehr geehrtes Fräulein Bengler!
Ihre Karte vom 11.8. liegt noch immer bei den täglich zu erledigenden Postsachen, aber zu einer Erledigung bin ich trotz bestem Willen noch nicht gekommen. Es tut mir dies besonders leid, da ich geraue Ihnen gerne geholfen hätte. Zu meiner Entschuldigung könnte ich 1000 Grunde anführen, aber ich will nur auf die beiden wichtigsten hinweisen. Herr Prof.Richter ist kurz vor dem Umsturz in Rumänien nach dort zur Abgabe von geologischen Gutachten abgereist una bis jetzt nicht zurückgekehrt, "ir konnten trotz Anfragen, persönliche Vorsprache beim Auswärtigen Amt, beim Kultus-Ministerium, beim Roten Kreuz usw. keine Nachricht erhalten, ^s ist fürchterlich. Die Verlagerung aer geologischen Abteilung nach Rungen/Obh. macht mir sehr grosse Schwierigkeiten, da die dort zu errichteten Behelfs» heime nur langsam fertig werden. Ich bin nun selber den ganzen Tag dabei und hoffe trotz allem, noch vor dem Winter fertig zu werden.
Onser Museum hat wieder bei den Angriffen am 12.9. schwere Schäden erlitten. Vom Strassenbau ist nun der 4. und 5.Stock restos weg. Die Arbeitsräume von Herrn Moll, Herrn Triebei und Ihr Zimmer sind weggebrannt. Unser Haus ist nochmals durch eine Mine, die das Physisch-Chemische im wahrsten Sinne des 'ortes dem Erdboden gleich gemacht, durchgeblasen worden. Alle Rabitz-Trennwände sind eingestürzt . In allen Stockwerken sehen Sie nur weite Säle mit Schutt und Asche. Kein Dach hindert dem Eindringen des Regens, der bereits bis in den kleinen Hörsaal kommt. Ich bin überzeugt, dass die Decken im Laufe des Einters eine nach der anderen herunter kommen werden.
An ein Notdach ist leider bei den schweren Schäden in den Häusern der Stadt, bei der Material-Knappheit und dem Mangel an Arbeitskräften überhaupt nicht zu denken. Tatenlos müssen wir also der Vernichtung unseres schönen Gebäudes Zusehen. Das Herz krampft sich mir zusammen, dies mit ansehen zu müssen .