Wetzlar, den 11. 5« 44
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Lieber Herr Professor!
Leider war es mir in Berlin nicht möglich, Herrn Prof.
Bentz anzutredffen, obwohl ich mehrere Stunden auf ihn wartete. Darum möchte ich Sie bitten, wie bereits besprochen, doch an ihn zu schreiben, damit Herr Zilch die systematische Bearbeitung der Frankreich - Foraminiferen übertragen bekommt.
Zuerst handelt es sich darum, das gesamte Oberflächen - Material zu bearbeiten, welches ich selbst gesammelt, geschlämmt und ausgesucht habe, das also mein Eigentum ist, und woran weder die Firma noch Prof. Bentz interessiert sein können. Hierfür braucht demnach Herr Zilch keine Genehmigung.
Es ist Material aus Tertiär, Obere Kreide, etwas Höh. Untere Kreide und Lias und stammt aus Südfrankreich von Biarritz - Hendaye im W über die Kl. Pyrenäen bis Eimes im 0. Ls ist schon jetzt so zahlreich, daß sich bereits die systematische Bearbeitung lohnt. Laufend kommt neues Material hinzu, das ich im Gelände sammle.
Die große Bedeutung dieser Arbeit liegt darin, daß das Pyrenäen - Vorkommen bisher nicht oder nur unvollkommen bearbeitet ist ( besonders Jungtertiär, Obere Kreide und Jura), aber als Zwischenglied zwischen Kaukasus (russ. Arbeiten hierüber besitze ich) und Mittelamerika - Texas (Arbeiten von White, Cushman u. Schülern) für unsere Kenntnis der damaligen Fauna - Zusammenhänge unentbehrlich wird. Also eine so interessante Arbeit, daß ich mich freuen würde, wenn Herr Zilch die Lorbeeren für die S.N.ß. ernten könnte.
An Bohrmaterial könnte ich vorläufig Spülproben des Maastrieh* liefern, auch einige Kerne, die bei den Bohrungen anfallen. Später käme noch Material aus änderen Formationen hinzu, je nach Lage der neuen Bohrpunkte.
Wenn Prof. Bentz von diesen Arbeiten weiß und damit einverstanden ist, könnte das Konti-Bohrmaterial natürlich ohne Beanstandung nach Ffm gelangen, und Herr Zilch hätte die Möglichkeit, russ. und amerikanische Literatur auszuleihen, die im Erdöl- Archiv u. Bibliothek bei Prof. Bentz aufbewahrt wird und im Augenblick wohl nur von Herrn Wieher benutzt wird.
Auch wäre diese Genehmigung gut, weil dann Herr Zilch gelegen' lieh mit Herrn sicher sich aussprechen könnte, was meiner Meinung nach nicht zu umgehen ist. Denn Herr Wiener hat sehr viel wertvolles Material und stratigr. Kenntnisse, die uns nützen kennen, auch interessiert er sich doch wohl nur für Stratigraphie, nicht aber für Systematik, wodurch eigentlich keine Überschneidungen eintreten dürften. Und ich selbst möchte glauben, daß eine Arbeit unter gelegentlicher Befragung von Herrn Wicher nicht von Nachteil sein kann. Ich sprach vorgestern mit ihm länger als drei Stunden, ging manche wichtigen Probleme durch und erhielt von ihm manchen wichtigen Wink, sah auch viele seiner Unterlagen und Materialien. Ich bin überzeugt, daß man mit ihm bei Beachtung mancher Dinge gut auskommen kann.