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Sehr geehrter Herr Professor,
Das mir unter dem 15. Sept. d. J. zugegangene Rundschreiben der S.N.G. betreffend die Aufwertung der vor 1924 erworbenen Ewigen Mitgliedschaft habe ich seither unbeantwortet gelassen in der Hoffnung, es werde mir möglich sein, Sie deswegen in Frankfurt einmal aufzusuchen. Nachdem diese Möglichkeit sich inzwischen nicht ergeben hat, obwohl der am 10. Okt. d. J. erfolgte Tod meiner Mutter und die Auflösung des elterlichen Hauses in Eschersheim mich mehrmals für wenige Tage nach Frankfurt gerufen hat, komme ich heute, um die Sache nicht länger anstehen zu lassen, doch zu einer schriftlichen Beantwortung.
Wiewohl ich die Gründe für die Aufwertungs-Forderung vollkommen ver stehe und zu würdige n weiss, stellt sich mir ihrer ET 5 fü 1 rßng^raTfls't'ens zurzeit-leider die absolute materielle Unmöglichkeit entgegen. Ich bin seit 38 Jahren in Hamburg ansässig und habe hier meine Existenz gefunden, die bei den besonderen Schwierigkeiten des Hamburger Platzes, der ja auch heute noch erklärtes Notstandsgebiet ist, kaum zum Nötigsten ausreicht.
Der Verlust der S.N.G. würde mich aber ganz besonders schmerzlich treffen, weil ich diesem Institut von Kindheit auf innerlich aufs engste verbunden bin. Diese Bildung wurzelt nicht nur in der persönlichen Kenntnis des Instituts, die mir als Knabe durch meinen verstorbenen Vater in häufigen Besuchen vermittelt wurde, sie wurzelt ebenso sehr in meiner Eigenschaft als Ururenkel von Samuel Thomas von Soemmerring. Es war aus diesen Empfindungen heraus für mich auch eine Selbstverständlichkeit, dass ich mit meinen Brüdern beschloss, der N.S.G. aus döm elterlichen Nachlass die geologisch-paläontologische Sammlung zu überweisen und die sonst vorhandenen Naturalien-Bestände anzubieten. Bei dieser Gelegenheit hat mein Bruder, Herr Dr.C. Haeberlin, Bad Nauheim, bereits bei Herrn Dr. Reuling fürsprechend für mich gebeten, ob mir nicht vorläufig noch die Ewige Mitgliedschaft belassen werden könnte. Herr Dr. Reuling hat in seiner Antwort empfohlen, dass ich Ihnen meine Bitte persönlich vortrage. Es ist mir durchaus verständlich, dass die Gerechtigkeit eine gleichmässige Behandlung der Mitglieder erfordert, und dass die S.N.G. daran durch gewisse Richtlinien gebunden ist. Wenn aber die Möglichkeit bestehen sollte, in besonderen Fällen Ausnahmen zuzulassen, so wäre ich für eine freundliche Berücksichtigung meiner Bitte Ihnen, sehr geehrter Herr Professor, ausserordentlich dankbar.
Heil Hitler!
Herrn Professor RICHTER, S.N.G.,
Frankfurt a./M.
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