Frankfurtmain,den 17.September 19)6.

An die Senkenbergische Naturforschende Gesellschaft. Ffm .

Auf Ihr Schreiben vom 15»September 1936.

Es ist bedauerlich,dass infolge der Inflation die damaligen Leistungen der Ewigen Mitglieder nun ohne Ergebnis sind, ver­ständlich,wenn die Leitung auf eine Aufwertung odereinen jähr­lichen Beitrag drängt. Haben Sie aber auch bedacht,dass Sie damit manchem Ewigen Mitglied den Stuhl vor die Tür setzen und damit den Inhalt dieses Wortes zu Schanden machen? Ich habe nicht nur mein Vermögen durch die Inflation verloren,sondern auch in der Folgezeit mein Geschäft aufgeben müssen und bin jetzt in die­nender Stellung ohne Bareinkommen. Dass ich irgentwie einen Bei­trag an Sie leisten könnte, ist ausgeschlossen.Es erhebt sich die Frage,was Sie mit solchen Mitgliedern machen.Hinauswerfen? Wie finden Sie sich dann mit Ihrem Wort Ewiges Mitglied ab? Mein Ge­rechtigkeitsgefühl sagt mir,dass ich Ewiges Mitglied bin und auch bleibe.Ich glaube,das Gesetz urteilt nicht anders.Der Vergleich mit dem Verhalten von Versicherungen ist doch sichtlich nicht ernst gemeint.

In dieser Frage sollte doch ein anderer Weg,minder schroff und erträglicher,gangbar sein.Zu verstehen wäre es,wenn Sie die Auf­wendungen für die Unaufgewerteten beschränkten,z.B.die Lieferung der Zeitschrift Natur und Volk einstellten.Alle übrigen Leistun­gen: Besuch des Museums - zu bestimmten Zeiten frei für jeden -, Sonntagvorträge im Schumann - für einen mitgebrachten Bekannten frei -,Samstagvorträge - es gab schon Zeiten,wo auch Nichtmit­glieder wilkommen waren-,fallen nicht ins Gewicht,tragen aber dazu bei,Senkenberg in breiterenKreisen bekannt zu machen,der Quelle neuer Mitglieder. Auf Ihrem eingeschlagenen Weg wird dem Senken­berg wirklich nicht geholfen;es müssten die Leute,die Das Frank­furter Senkenberg lieben,wieder Geld haben,oder die Leute,die noch Geld haben,veranlasst werden können,Beträge zu spenden,wie das früher auch war.

Ffm.,Stalburgstrasse 2

Heil Hitler!