11.November 1930

f/ty

Sehr verehrter Herr Oberstudiendirektor!

Auch nach ein- r Unterredung mit reinem. Freunde und Kollegen Vrof. RICHTER, der nie Sie wiesen, lange Zeit Studienrat an der Liebig-Oberrealschule war, ist mir nicht recht klar geworden, wie ich mich verhalten soll, um zu verhindern, dass Junge Leute, deren Kenntnisse in Geologie ein »genügend» rechtfertigen, die aber im übrigen ganz ungeeignet sind, das Staatsexamen bestehen. Ich habe die Herren Döring , Friedrichs, Martini und Herlicher geprüft. Von diesen ist Döring nach Kenntnissen und Menschlich­keit c'er beste und gibt meiner Ansicht nach einen vortrefflichen Lehrer; Friedrichs muss seine ungeheuere Nervosität überwinden lernen, wird aber gleichfalls die Sache ernst anfassen. Dagegen sind Martinie und Gerlicher meiner Ansicht noch beide zum Ober­lehrer ungeeignet, obwohl der eine, Gerlicher, im Anfang des Studiums gutes versprach. Für Martini bedeutet das Studium Brot­erwerb (nach erfolgloser kaufmännischer Tätigkeit), Gerlicher ist verworren, bildet sich ein, besondere Kenntnisse zu haben }ind ist in Wahrheit eigentlich nur aufgeblasen, nach Richters Ansicht sogar dumm. Ich habe aber beiden genügend gegeben, weil ihre Kenntnisse nach meiner und des Beisitzers Ansicht genügten.

Gibt es keine Möglichkeit, dass der Prüfer auch sein© Meinung über den Menschen , nicht nur über dessen Kenntisse, abgibt