3.Juli 1930
2 . Blatt
Sie an unseren Freund W. und seine Einseitigkeit, der es schwer fällt, auch nur einen Gedanken neben sich hochkommen zu lassen und Sie haben schon die Schwierigkeit, die sein geltüngs- bedürftiger Ehrgeiz mit Ihnen als Sturmbock schaffen muss. Sie
bürden sich eine Arbeit auf, die gigantisch ist -oder die in
ganz kurzer Zeit versandet, denn an ein Nachgeben Ihrerseits, ist nicht zu denken. Als Aktivposten besteht Ihre Kraft, und dieser Aktivposten bewegt mich zum Beitritt. Wenn Sie sieh nicht unterkriegen lassen, sondern tatsächlich etwas durchführen, was in anderen Städten nicht besteht und nicht bestehen kann, weil die Persönlichkeit fehlt, so gehe ich mit Ihnen, und das heisst, dass ein Gut feil von Frankfurt, hals misstrauisch, halb vorsichtig, im Inneren ein bisschen schwankend und unglücklich über das neue Leben, mitgeht. Alle diese kleinen Eigenschaften müssen Sie mit Ihrem Schwung mitreissen. Wenn Sie das können, dann möchte ich gern noch 10 Jahre länger leben.
Bitte grüssen Sie Ihre Gattin und danken Sie ihr vielmals für den famosen Abend, dessen Heimfahrt (trotz der Edelkastanien) beschwingt war durch Erdbeerbowle, durch ein Wi^Ejförn von Morgenluft und durch eine schöne Sommernacht, die dem Romantiker Wohltat. Ihnen herzliche Grüsse