DR. HANS STRIEBICH

FRANKFURT MM 13, den 2 6 . 4 . 4 3 .

BASAkTSTR. 54;

Montabaur (V/esterwald) Eschelbacherstrasse 18

Herrn

Dozent Dr. habil. Reuling

Frankfurt (Main)

Senckenberg-Anlage 25

Lieber Herr Reuling!

Ich schreibe diesen Brief an Sie in der Hoffnung, dass die Preußen zurzeit auf Ihre wertvolle Mitarbeit verzichten, sodaß Sie sich überhaupt um die Angelegenheit, die er betrifft, kümmern können. Ornithologie gehört ja wohl auch zum Arbeitsgebiet unserer Gesell­

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wissen ja,

dass hier in unserer Nähe, im Neuwieder

'aufgrund der dortigen Tuf 'Vorkommen die sogenannten Schwemmsteine gemacht wer en. Ein Geschäftsfreund, der solche Leichtbausteine fabriziert, kam vor einiger Zeit auf den Gedanken, aus dieser Masse Vogelnistkästen herzustellen, d.h. zu gießen. Die Vorteile liegen auf der Hand. Der Nistkasten ist trocken, luftig und warm, hat ein geringes Gewicht, kann also leicht überall auf­gehängt werden und kann billig und serienmäßig hergestellt werden. Der Boden hat einen Schiebeverschluss, sodaß der Kasten jederzeit geöffnet und gereinigt werden kann. Am letzten Modell kann auch die Vorderseite mit dem Einflugloch durch einen Schiebeverschluß geöffnet werden. So kann man daraus einen offenen Nistkasten machen, der, soviel ich weiß, von Rotschwänzchen bevorzugt wird.

Der Kasten ist von einigen Forstbehörden im Rheinland angewandt worden und soll, wie mir Herr Sinzig erzählte, einen großartigen Erfolg gehabt haben. Jedenfalls wird er von den Meisen in der l kürzesten Zeit bezogen, und die müssen ja wissen, wie es sich darin lebt.fleh muß Ihnen sagen, dass mir die Idee und der Kasten 'allgemein imponiert hat, wenn ich auch von Vogelkunde nur soviel verstehe, dass die Hühner gute Eier legen und ich zu wenig kriege. Ich nehme aber an, dass Here Pfeiffer sich für so etwas lebhaft interessieren wird. Ich habe nun Herrn Sinzig gebeten, dass er I hnen einen so lchen Nistkasten in den nächsten Tagen zusenden solT! 35anu können Sie sich die interessante Konstrukt'on einmal selbst besehen. Vermutlich wird Herr Sinzig den Kasten in der Woche nach Ostern absenden . Vorausgesetzt, dass Sie über den Nist­kasten dieselbeTleinung'haben wie ich, - wie gesagt, mir hat er schon wegen seiner technischen Idee imponiert, - stehe ich auf dem Standpunkt, dass es eine Aufgabe der Senckenbergischen Gesellschaft sein müßte, so eine Sache zu fördern. Ich denke vor allem daran , dass Senckenberg eine solche Idee der Fachwelt gegenüber bekannt machen müßte, nicht zuletzt zur höheren Ehre der SNG. Her n Sinzig habe ich gebeten, gelegentlich etwas "ber die mit dem Nistkasten gemachten Erfahrungen für "Natur und Volk" zu schreiben. Sehen Sie sich also die Sache einmal an und schreiben Sie mir gelegentlich, was Sie darüber denken. Vielleicht besuche ich Sie in Kürze ein­mal in Frankfurt.

Mit herzlichem Gruß

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