er, der Prediger des Heroenkultus, gesagt hat:Sie sind über das Land zerstreut, jeder in seiner Provinz, denkend im Stillen, arbeitend im Stillen, die Zeitungen des Tages sprechen nichts von ihnen. Sie sind das Salz der Erde, und das Land, das solche Menschen nicht hat oder zu wenige hat, ist auf schlechten Wegen. Es gleicht einem Walde, der keine Quellen hat."

Sozialpolitik kann und sollte jedermanns Arbeit sein, an welcher Stelle er auch stehe. Die Höhe der Lebensstellung bedingt wohl die Enge oder die Weite des Rufes und des Ansehens, aber ent- scheidet nichts oder nur weniges für die Bedeutung und den Nutzen des Wirkens. Wer an ragender Stelle in der Regierung oder im Parlament steht, bestimmt zwar für viele Tausende Weg und Ziel. Die Unterschrift des einen Ministers setzt das Heer seiner Beamten in Bewegung und heißt sie seinen Willen tun, vertausendfacht gleich­sam sein Wirken. Aber wie die Durchführung seines Willens an jeder der einzelnen Stellen erst dem Werke die Vollendung gibt, so ist auch das Zustandekommen seines und des Parlamentes Willens von den Ideen, Forderungen und Ergebnissen der Arbeit vieler Ungenannter und Unbekannter abhängig. Die obersten Organe, Re­gierung und Parlament, können wohl aus sich selbst heraus den Willen zur Sozialpolitik entwickeln, Kraftftationen des sozialen Systems sein, aber in vielen, sehr vielen Fällen sind sie nichts mehr und nichts weniger als eine Durchgangsstelle, in der Wille und Tun der sozialpolitisch Werktätigen im Volke die offizielle Form und Prägung erhält.

Wir fangen an, von der Überschätzung der Gesetzgebung und der Unterschätzung der Verwaltung zurückzukommen. Eine Reform der inneren Verwaltung, die unseren Behördenorganismus wieder schlag­fertig und leistungsfähig macht, die sich immer weiter und breiter aus­dehnenden Geschäfte rasch und richtig zu erledigen, eine Reform der Ausbildung unserer höheren und unteren Beamten, die ihnen Ver­ständnis für die neuen wirtschaftlichen und sozialen Zustände und Entwicklungen verschafft, ist wichtiger als ein ganzes Dutzend sozial­politischer Gesetze.

Auf die vielen tausend und abertausend Einzelnen wirkt die staat­liche Sozialpolitik durch die örtlichen Instanzen und Organe. Für den kleinen Mann im Volk ist der Schutzmann oder der Gen­darm wichtiger als der Minister, ein Wechsel im Landratsamt berührt ihn stärker als ein Wechsel im Ministerium. Dieselben sozial­politischen Gesetze wirken im Osten anders wie im Westen, in Würt­temberg anders wie in Preußen, in der Stadt anders wie auf dein Land. Unterliegt schon die staatliche Sozialpolitik, die, durch Gesetz und Verordnung in feste Formeln gebracht, von dem Beamtenkörper nach einheitlichen Vorschriften durchgeführt wird, den Einflüssen und den Bedingungen des Ortes, wieviel mehr noch ist die freie sozial­politische Tätigkeit vomOrt" abhängig. Hier in der Freiheit der