Frankfurt a. M.,
im April 1919
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Ein siebzigster Geburtstag ist eine nachdenkliche Sache; man mag ihn betrachten wie man will. Fällt der Tag aber in eine Zeit wie die jetzige, wo die ungeheure Not unseres Volkes, die schwerste Sorge um Deutschlands Zukunft auf der Seele lasten, so wird man eine tiefernste Stimmung für wohlberechtigt halten.
Das Alter leidet doppelt schwer in dieser Zeit. Es hat nicht mehr den seelischen Schwung der Jugend, die unbegrenzte Hoffnungsfreudigkeit, die Wunder verrichtet. Dafür hat man das höchst unbefriedigende Gefühl, sich an den neuen, gewaltigen Aufgaben nicht mehr so beteiligen zu können, wie man möchte. All' das stimmt traurig.
Und dennoch sollten mir leuchtende, wärmende Sonnenstrahlen an meinem Geburtstage nicht fehlen. Sie kamen in Form von herrlichen Blumenspenden, von herzlichen Briefen, Karten, Telegrammen und zwar so überaus reichlich aus allen Kreisen Frankfurts, aus den verschiedensten Gegenden unseres Vaterlandes, daß ich nicht imstande bin, einzeln zu danken, wie ich möchte. Das aber kann ich versichern, daß ich mich jedem der gütigen Gratulanten von ganzem Herzen zu Dank verpflichtet fühle. Der 15 . April hat mir auf das Schönste gezeigt: „Die Treue, sie ist kein leerer Wahn".
Keildru£.k6rei. Frankfurt a M.