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Der Du von dem Himmel bist,

Alles Leid und Schmerzen stillest,

Den, der doppelt elend ift.

Doppelt mit Erquickung füllest,

Ach, ich bin des Treibens müde!

Wos soll oll der Schmerz und Lust? Süßer Friede,

Komm', ach komm' in meine Brust!"

Verehrte Leidtragende!

Mitten in sturmbewegter Zeit, da Mars immer noch die Stunde regiert und den Völkern auf dem Erdenrund in wildem Grimme blutige Wunden schlägt, ist unser hochverehrter Professor Or. Kobelt still und friedlich von uns gegangen. Nicht im Getümmel der Schlacht, nicht im Geräusche der Waffen erlag er, wie so mancher unserer Volksgenossen, seinem Schicksal, auf friedlicher Wahlstatt zollte er nach reichem, inhaltsvollem Leben dem Allüberwinder den letzten Tribut, nahm schmerzlos Abschied von der lenzenden Pracht der Erde, der süßen, freundlichen Gewohnheit des Daseins und Wirkens. Fast will es uns vermessen erscheinen, in einer Zeit, da der unerbitt­liche Tod auf blutgetränkten Schlachtfeldern Tausende unter seine männermordende Sichel nimmt, bei dem Sterben eines Einzelnen länger zu verweilen,- fast will es uns Verwegenheit dünken, da der Hügel in Ost, West und Süd eine übergroße Summe von jugendlicher Kraft und Begabung deckt, da die Meereswoge über manchem braven Seemannsleben rauscht, da dürftige Druckzeilen in hunderten von Verlustlisten den wortkargen Nachruf für gefallene Helden bilden, angesichts dieser Fülle von Leid an der Bahre eines in Frieden Heimgegangenen dumpfem Schmelz und leidmütiqen Erwägungen nachzuhängen. Und doch glauben wir, die wir sein Wesen und Wirken verstanden, dem Verblichenen schuldig zu sein, seine körperliche Hülle nicht lautlos der Flamme entgeqenzutragen, glauben's ihm schuldig zu sein zum Ausdruck der Dankbarkeit gegen den mit hohen Idealen erfüllt gewesenen Mann, den feinsinnigen, warmherzigen Menschen­freund, Schriftsteller und Wissenschaftler, den Freund und Förderer unseres Gemeinwesens.

Was er in der Wissenschaft und für sie geleistet hat, was er gewirkt hat auf dem Gebiete der Volkswohlfahrt, der geistigen, sittlichen und wirtschaftlichen Hebung der unteren Volksschichten, das hat bei seinem goldenen Doktor-Jubiläum in Wort und Schrift rückhaltlose Anerkennung gefunden. Wenn zur Läuterung des Urteils angemessene zeitliche Entfernung eingetreten ist, wird es immer offen­kundiger werden, welche Fülle fruchtbarer Gedanken, welcher Strom sittlicher Energien von seinem Wesen ausgegangen.

Uns geziemt es heute, in stiller, wehmutsvoller Stunde lediglich der Bedeutung seines Wirkens für unser Gemeinwesen und seine Entwicklung zu gedenken. Als junger Arzt, erfüllt von hohen Ideen, hat er in den Jahren seiner medizinischen Praxis das schöne