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Sonderdruck aus Nr. 106 desFränkischen Kuriers" von: 17. April 1925. _ ,

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Wilhelm kehlen 80 Lahre alt.

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Allgemeine Erfahrung lehrt: je mehr Fahre unserem^ Leben Angelegt werden, um so mehr geraten wir bei unserer Mitwelt in Vergessenheit und es heißt schon, ganz besonders sich zu rühren und tätig zu sein, wenn man überhaupt Wert darauf legt, in der Umgebung nicht unbeachtet zu bleiben. Wenn aus irgendeinen Nürnberger Bürger, so trifft das auf den in weiten Kreisen wohlbekannten und gern gesehenen Rentner Wilhelm Reh len zu. Er hatte das große Glück, in einem hochgebildeten Hause aufwachfen zu dürfen. Am 26. April 1845 ward zu Kalchreuth bei Nürnberg im Pfarrhaus ein Junge geboren. (Die Mutter eine geborene v. Volckamer). Früher als es sonst zu ge­schehen pflegt (die 48er Jahre hatten viele Geister er­regt und mit fortgerissen), hatte sich der Vater von seinem Amte zurückgezogen, um von Stund an be­stimmten Studien obzuliegen, ja selbst wissenschaftliche Werke zu veröffentlichen. Er wurde so in gewissem Sinne einer der Vorläufer der Wissenschaft der Nationalökonomie. (Geschichte der Entdeckungen und Erfindungen", anerkannt von Al. v. Humboldt; ferner Die Geschichte der Gewerbe", binnen 2 Jahren fünf Auflagen, ein Werk, das seinerzeit bei gesetzgeberischen Maßnahmen in Oesterreich nicht ohne Einfluß war). Wir brauchen darum nicht zu fragen, wie es geschah, daß auch in dem Sohn von früh an ein großer Drang vorhanden war, wissenschaftliche Studien zu treiben. Zunächst besuchte er das Nürnberger Gymnasium. Dann bildete er sich als Kaufmann aus. Es war die Zeit, wo ein Fabrikat gerade in unserer Stadt, aus kleinen Anfängen entstanden, allmählich eine geradezu staunenswerte Verbreitung in der ganzen Welt (nur Japan ausgenommen) finden sollte, nämlich der Pinsel". Vom Jahr 1873 an war Rehlen im Allein­besitz der PinselfabrikSchuster und Rehlen". Später bei einer Zusammenlegung fast aller hiesigen Pinsel- sabriken ging sie in die Aktiengesellschaft über, deren Aufsichtsrat er bis heute noch ist. Schon frühzeitg führten ihn seine Geschäftsreisen in die weite Welt hinaus, so nach Italien, Belgien, Holland und Eng­land. In seinem langen Leben beschäftigte sich unser lieber Jubilar, dem ein großer Kranz von Freunden zugetan ist, der auch viele Bedrängte in allen Stän­den bis hinauf zu dem Akademiker in der Stille so gern unterstützt und der viele, viele Tausende für Stiftungen an wissenschaftliche Institute, Vereine usw. hinausgab, mit Studien aller Art, vornehmlich der verschiedenen Verzweigungen der modernen Natur­wissenschaften : Anthropologie. Ethnologie, Prühistorik, Paläontologie, Geologie, Mineralogie. Eine überaus

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reichhaltige, ganz entzückende Steinsammlung ist in seinem Besitz; auf das freundlichste bewillkommnet er fast in jeder Woche Gäste auch vom Ausland zur Be­sichtigung. ja selbst Studenten aus der benachbarten Universität kommen wiederholt in Scharen, die dann leine Gäste werden und bis in die Nacht seinen Vor­trägen lauschen. Nicht weniger«als neun Ehren­diplome darf er sein eigen neunen, wie er auch eine größere Anzahl von Koryphäen der Wissenschaft im In- und Ausland zu seinen Freunden rechnen darf. Noch in hohen Jahren (er war dem 70. Lebensjahr nicht fern) hatte er die Kühnheit, eine Reise um die Erde zu machen, allüberall darauf bedacht, seine Kenntnisse zu erweitern, zu berühren, zu vertiefen.

Es wäre seltsam gewesen, wenn eine solche Persön­lichkeit nicht auch die Aufmerksamkeit und das Ver­trauen seiner Mitbürger auf sich gezogen hätte, und der Vielbeschäftigte folgte mit großer Freudigkeit in den 90er Jahren dem Ruf, ein Mitglied des hiesigen Stadtmagistrats zu werden, in welchem er sich bei den Referaten über Angelegenheiten der Kunst, in Bau­fragen, bei der Elektrisierung der Straßenbahn usw. beteiligte. Nur in Kürze soll erwähnt werden, daß unser Jubilar natürlich das grausame Geschick, das mit unerhörter Wucht auf unserem armen Vaterlande lastet, auch seinerseits mit seinem warmfühlenden Herzen auf das tiefste empfindet. Von erschütternden Familienereignissen blieb auch unser Freund nicht verschont. In tiefer Trauer sind wir mit ihm an zwei Gräbern aus dem St. Johanniskirchhof gestan­den. 1898 starb seine Gattin, 1908 raffte der Tod den einzigen Sohn, der iu der Blüte seines Lebens staud, hinweg. Aber Rehlen verlor durch solche Heim­suchungen seinen Lebensmut nicht.

Nur wenigen Sterblichen ist es vergönnt, in solche hohen Jahre mit ungeschwächter geistiger Frische ein- treten zu dürfen. Möchte es unserem Jubilar beschicken sein, die Lebenskunst, deren er sich rühmen darf, noch jahrelang ausüben zu dürfen.

Da es zu weit führen, würde, die vielseitige Tätig­keit unseres Jubilars iu allen Einzelheiten zu schil­dern, müssen wir uns damit begnügen, nur vier Punkte noch zu erwähnen:

Sein außerordentliches Mitwirken bei derPrä­historischen Forschung in Bayern", bei demDenkmal­schutz" vor allem irr Nürnberg, bei demDonau- Main-Kanal", in dessen Verein W. Rehlen lauge Jahre Kassier war, und bei deir verschiedenen Volts­bildungsbestrebungerl in unserer Vaterstadt.

Kirchenrat Schiller.

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