Die Rechnungsrevision für das Geschäftsjahr 1903/04 wurde am 18. August 1904 durch Herrn Oberbürgermeister vr. Adickes in Gemeinschaft mit der von der Großherzoglich Hessischen Landesuniversität Gießen hierzu abgeordneten Herren Professor vr. Leist, Dekan der juristischen Fakultät und Professor vr. Poppert. Dekan der medizinischen Fakultät, vorgenommen.
Zum Waisen- und Armen-Amt wurden pro 1905 Herr vr. med. Franz Baerwindt und als Stellvertreter Herr vr. med. Ernst Roedisger seitens der Administration abgevrdnet.
Am 1. Oktober 1904 waren 25 Jahre verflossen, daß Herr Professor vr. Gotthold das Amt eines Hospitalpredigers und Krankentrösters versah. Da Herr Professor vr. Gotthold an diesem Tage von Frankfurt a. M. abwesend war, beglückwünschte ihn die Administration zu seinem Jubiläum gelegentlich der für die Kranken und Pfründner abgehaltenen Weihnachtsfeier.
Einen schweren Verlust hat die Stiftung durch das am 5. August 1904 erfolgte unerwartete Hinscheiden des Direktors des pathologisch-anatomischen Instituts Herrn Geheimen Medizinalrat Professor vr. Carl Weigert erlitten.
Seit 1885 an dem Institute tätig, hat er dasselbe nicht nur zu großer Blüte und großem Ansehen gebracht, sondern auch mit seinem hervorragenden Geiste befruchtend alle wissenschaftlichen Bestrebungen in Frankfurt a. M. auf das Wirksamste beeinflußt. Ebenso wie sein Name in der gesamten wissenschaftlichen Welt unsterblich sein wird, so wird auch jein Andenken als einer der hervorragendsten Lehrer an unserem Institute auf ewig in dankbarstem Gedächtnis bewahrt werden.
Einen weiteren Verlust erlitt die Stiftung durch das am 20. Februar 1905 erfolgte Ableben des Bibliothekars Herrn vr. med. Friedrich Schwenck.
Mit seltener Pflichttreue versah er das Amt eines Bibliothekars an der Senckenbergischen Bibliothek seit dem 1. Oktober 1863 bis kurze Zeit vor seinem Hinscheiden.
Die Assistenzärzte am Bürgerhospital Herr vr. med. Heinrich Ha yd und Herr vr. med. Laspeyres verließen ihre Stellen, ersterer am 1. Juli 1904 und letzterer am 15. Mai 1905, für sie traten an den gleichen Tagen ein, Herr vr. med. Heinrich Hauschild von hier und Herr vr. med. Hans Engel von Gießen. Als Praktikant in der inneren Abteilung fungierte vom 1. Mai 1905 ab Herr Leo Moses von hier.
Im Bürgerhospital wurden vom 1. Juli 1904 bis 30. Juni 1905 mit Einschluß der 72 vom vorigen Verwaltungsjahre in Pflege verbliebenen, 1125 Patienten mit 31486 Verpflegungstagen verpflegt, gegen 1032 Patienten mit 33 063 Verpflegungstagen im Vorjahre. Ambulatorisch wurden behandelt 703 Personen.
Bezüglich der mit dem Bürgerhospital vereinigten Pfründnerstiftuugen ist zu erwähnen, daß der Brönner'sche Pfründner Christian Rudolph Greb am 28.Januar 1905 und der Gräffendeich'sche Pfründner Johann Philipp Köhrig am 5. Juni 1905 gestorben sind. Erwählt wurde am 2. Februar 1905 zum Brönner'schen Pfründner der Schneider Ludwig Schellhaas.
In dem pathologisch-anatomischen Institut arbeiteten außer 8 hiesigen, 13 auswärtige Ärzte worunter 10 aus Deutschland, 1 aus der Schweiz und 2 aus Nordamerika. Es wurden für die Hospitäler und in der Stadt 860 Sektionen ausgeführt, sowie für hiesige Ärzte 1070 mikroskopische Untersuchungen, gegen 622 Sektionen und 810 mikroskopische Untersuchungen im Vorjahre.
( 3 'ür den verstorbenen Geheimen Medizinalrat Professor vr. Weigert wurde der seitherige Prosektor am Krankenhause rechts der Isar in München, Herr vr. med. Eugen Albrecht, zum Direktor des pathologischanatomischen Institutes erwählt, welcher seine Stelle am 1. Dezember 1904 angetreten hat.
Als erster Assistent fungierte bis zum 31. März 1905 Herr vr. Emil Liefmann aus Hamburg, nach Austritt desselben wurde die Stelle Herrn vr. med. Max Trappe aus Breslau übertragen. Als zweiter Assistent fungierten bis zum 20. August 1904 Herr vr. med. Gottfried Schwarz aus Wien und von diesem ^.age bis zum 31. März 1905 Herr vr. med. Georg Koch aus Mainz, nach dessen Austritt übernahm Herr Oberarzt vr. med. Boit die zweite Assistentenstelle.