Britische Mineraliensammlung. Wie schon vor Weih­nachten mttgeteilt wunde, haben die Erben des im vorigen Jahr verstorbenen Herrn Dr. L. Belli, Frau Karoline Pfeiffer geb. Belli und Fvau.Anna Weife grb. Belli, die ungefähr 1000 Nummern zählende Mineraliensammlung ihres Bruders und Onkels der Senckenbergifchen Natur- forschenden Gesellschaft zum Geschenk gemacht. Wenn es 'auch nicht möglich ist, die ganze Samlung dem Publikum zugänglich zu wachen, so wurde doch wenigstens eine kleine Auswahl guter und zum Teil, sehr wevwollcr Drücke gc- tvoffen, die vom 18. Juni an'während der gewöhnlichen Besuchsstunden im Vogelsaal des Museums besichtigt wer­den kann. Besonders sei aufmerksam gemacht auf i>ie herrliche kalifornische Goldstufe, die vier kostbaren Platin­rollstücke, aus dem Ural, das Schnecberger Wismut, die großen australischen Edelopale, die englischen Fluorite, die Egremonter Kalkspäte, den tasmanischen Krokoit, die El. baner Turmaline, die Pvachtstufe mit zahlreichen Mi- kroklinew und Rauchquarzen vom Pikes Peak, die riesigen Titanile »von Kanada, die.Stein- und Eisenmeteoriteu, ins­besondere die große Platte des im'Jahr 1802 gefundene:! finländifchcn Pallaseisens mit seinen ausgezeichneten Oli­vinen. sJm nächsten Jahresbericht der Gesellschaft wird ".gehender über die Sammlung referiert werden.

* Hdchschuluachrichte».

Die Senckenbergische naturforschende Gesellschaft in Frankfurt a. M. ernannte den Polizei­rat a. D. M. Kuschel in Guh rau, den bekannten Ornitholügen Schlesiens, und den Pfarrer F. W. Konow in Teschendorf, den ausgezeichneten Kenner der Blatt- weinen. 5» korreivondierenden Mitgliedern. . ,

* Zum Bauprojekt des Kaufmännischen Vereins er­halten wir von Herrn Hofbaumeister D i e l m a n n eine Zuschrift, in der es heißt: Durch die Tagesblätter geht die Mitteilung, daß der Vorstand des Kaufmännischen Vereins einstimmig beschlossen hat, die städtischen Grund­stücke am Eschenheimer Tor anzukaufen, auf diesen Grundstücken seinen Saalbau zu errichten und die hiesige Bauunternehmer-Firma Vietze & Helfrich mit der Aus­führung des Baues zu beauftragen. Außerdem wurde

i beschlossen, auf die städtische Subvention von 430,000 Mk. Verzicht zu leisten. Diese Beschlüsse bedürfen selbstver­ständlich der Zustimmung der Generalversammlung des Kaufmännischen Vereins. Aus diesen Beschlüssen gehen mit vollster Klarheit zwei Tatsachen hervor und zwar erstens: was der Kaufmännische Verein in seiner Bau­sache zu tun gedenkt und zweitens: was er nicht zu tun gedenkt. Was er n i H t zu tun gedenkt, ist am inter­essantesten und soll deshalb hier besprochen werden. Ob auf die städtische Subvention verzichtet wird oder nicht, ist für diese Besprechung unerheblich. Wie bekannt, be­trifft das Bauvorhaben des Kaufmännischen Vereins einen' sehr großen monumentalen Saalbau, der, außer Bureaus, den Vereins- und Wirtschaftslokalitäten, einen großen Saal für 1500 und einen kleinen Saal für 400 Personen enthalten soll. Für die Planverfafsung zu diesem Mächtigen Gebäude hat der Vorstand sich bis heran der Bauunternehmer-Firma Vietze & Helfrich be­dient. Man hat auch nichts davon gehört, daß der Kauf­männische Verein über das Projekt genannter Firma das Urteil und den Rat irgend eines unparteiischen aus­wärtigen Meisters der Architektur, wie. z. B. Professor , Wallot in Dresden oder Professor Gabriel von Seidl

IkU^EvststUMe'^st'e' unser 'der^ArchlkeKen7 die ihre Mitglieder waren, einen Wettbewerb und legte diese Pläne Herrn Professor Paul Wallot in Dresden zur Be­gutachtung vor. In eingehendem schriftlichen Gutachten gab Professor Wallot seine Meinung ab und empfahl das Projekt des hiesigen Architekten, Baurat Neher, zur Ausführung. Dann erst, nachdem Wallot gehört war, beschloß die Senckenbergische Gesellschaft, das Nehersche Projekt auNzuführen und übertrug Herrn Baurat Neher die künstlerische Oberleitung. Die Bauarbeiten wie Maurer-, Steimetz-, Zimmer- rc. Arbeiten für das Museum wurden in Submission an einzelne Firmen ver­gebet:. Der Kaufmännische Verein dagegen veranstaltet reinen Wettbewerb; er, die Laienkörperschaft, fragt keinen unparteiischen, auswärtigen Architekten um sein Urteils sondern faßt seine Beschlüsse, ohne einen solchen Meister gehört zu haben; er stellt auch keinen nur künstlerisch arbeitenden Architekten an die Spitze seiner Bausache. Ebenso wie di e Senckenberais.cke. GLiellicha kt, ist auch unser MagistratcherDerrvrauoachstratze verfahren, indem er die Frankfurter Architektenschaft zur Mitarbeit heran­zog. Die neue Matthäuskirche am Hohenzollernplatz ist das Ergebnis eines öffentlichen und anonymen Wett­bewerbs. Die neu zu erbauende Synagoge an der Fried­berger Anlage ebenfalls. Also alle diese Körperschaften handelten nach dem Grundsätze:Prüfet alles und das beste behaltet. Der Kaufmännische Verein dagegen hat sich bis jetzt selber daran verhindert,alles" zu prüfen, denn er wehrt sich dagegen, diesesalles" zur Prüfung heranzuziehen. Es wäre interessant, die Gründe dafür zu efoiip-n.

Zwei außerordentlich interessante offigfettc. Auslassungen werfen eigentümliche Schlaglichter tttf die Lage der öffentlichen Frankfurter Bau­tätigkeit. Zugleich streifen dieselben auch Meder den berühmten Frankfurter Lokalpatriotrsmus, der nicht weiter reicht, als bis zum Projekt- der Auftrag selbst geht in der Regel nach auswärts. In der jüngst« Versammlung der Seurkenbergischsn uaturjorscheüd « Gesellschaft hielt Herr Dr .

'. J assoh eine Lobrede für die hiesige Bürgerschaft, ' oi^es Ämöglichte den Neubauten des Sencken- ? ibergianums eine solche Ausdehnung zu geben, daß ji ; bas Institut Frankfurt in der vornehmsten und 'würdigst« Weise repräsentierte. j

An demselben Tage konnte man in einem \ zBericht unserer groß« kommerziellen Behörde, der s ^Frankfurter Handelskammer lesen, daß all die s ^großen Lieferungen für die Frankfurter öffent- £ lichen Bauten nach auswärts vergeben würden, s ? Es heißt da unter der Rubrik Zentral- ^ Heizung:

Gegen das Vorjahr kann eine weitere Stei- gerung des Bedarfs, gleichzeitig aber auch eine ' -wesentliche Vermehrung der ausführenden Firmen i sestgestellt werden. Es entstand dadurch ein Kon-^ kurrenzkampf, wie er bisher in diesem Geschäfts-"? zweig nicht üblich war. Die früheren, schon I i billigen Verkaufspreise gingen daher weiter zurück. -Zur Zeit beschäftigt sich der Verband Deutscher .Zentralheizungs-Industrieller in Berlin mit der 'Frage, wie die geschäftliche Lage zu bessern ist. In Frankfurt liegt das Geschäft noch besonders ungünstig insofern, als von 'den größten Baufirmen die besseren und ^wertvolleren Arbeiten nrit Wörlitzbe an auswärtige Firmen vergebt werden. So gingen die Anlagen für den Neubau der Metallgesellschaft, der Diskonto­bank, der Deutschen Bank, des Sencken- bergischen Institutes, voraussichtlich auch des Burgerhospitals, sowie o'es Zirkus und Theaterbaues in.die Hände auswärtiger Firmen unter Ue-bergehung der einheimischen Firmen."

Das paßt schlecht zu der Bürgertugend, von Gewiß M Frankfurt vre großartigen Stiftungen der Vergangenheit und Gegenwart nur dem Gemeinsinn ausge­zeichneter Mitbürger zu verdanken und es bleibt für alle Zeiten rühmenswert, wie dw wissenschaft­lichen und volksbildnerischen Bestrebungen immer und immer wieder der offenen Hand des Frank­furter Bürgers begegneten, aber gerade deshalb sollten die Frankfurter Geschäftsleute und Ge­werbetreibenden zu tun haben, wenn die Stif­tungsmillion« bauen. Aber auch das geschäftliche Großkapital dürfte die heimische Industrie bevor­zugen- hier sind diese Etablissements fast alle zu« ihrer geschäftlich« Bedeutung gelang^ Frankfurt :ift ihr Nährboden, es ist ein Zeichen geringer k Dankbarkeit und Achtung^ wenn Lstnn die ein- i heimiH« Firhkön ^einfach übergangen werden. k Auch bei städtischen Bauten zeigt sich dieser t merkwürdige Widerspruch mit der eigentlich ganz $ selbstverständlich« Tendenz der Berücksichtigung % leistungsfähiger lokaler Firmen. Der frühere $ Stadtverordnete Armbrüster hat diese Zustände ^ bei dem Schauspielhaus-Neubau sehr scharf ' charakterifiert. Soweit er pro domo sprach hat l er auch die Konsequenzen seines Vorgehens ge- I zogen und auf sein Mandat verzichtet. Das war s sehr korrekt und verstärkt die Wirkung seiner f Kritik, die sich keineswegs bloß auf die Schlosser- s uud Schmied«rbeit« bezog. N«erdings erst hat | Herr H. Wagner in einer Versammlung der Haus- ! besitzer sehr interessante Enthüllungen über die ^ Äefer uug der Stühle und HolMle im Schau­

spielhaus gemacht, wobei Frankfurter Offerte« grundsätzlich ignoriert wurden.

/ Diesmal ist es also nicht dieSonne" oder eine konkurrenzneidige Branche, welche über diese Mißstände Klage führt sondern die durchaus ob­jektive Frankfurter Handelskammer- es find keine, allgemeine Behauptungen, die da ausgestellt wer­den, sondern bestimmte Angaben. Man kann der Handelskammer für ihr Vorgehen von Herz« dankbar sein- vielleicht wirkt die wiederholte dr» Mahnung doch noch erzieherisch uud erinnert d« Frankfurter Unternehmungsgeist allerort« an die Pflichten gegen die Frankfurter Geschäftswelt, die schließlich doch noch andere als rein steuerpolitische Interessen verdient.