zwei Gebiete geschützt werden. Jeder Naturfreund wird im voraus wissen, daß es sich in erster Linie um den „Sumpstvald" handelt, jenes Gebiet, das srül)er fast unzugänglich, erst in neuerer Zeit durch die fortschreitende Austrocknung wegbar geworden ist. Früher floß hier ein Mainarm, aus den Karten ist das Revier als „Sauros" bezeichnet. Wer sich einen Begriff machen will von der al:m „Trcicich" und ihrer Maldespracht, der muß diesem Sumpfwald einen Besuch abstatten. Da findet er noch einen ölest des alten Urwaldes; riesige Eichen, auf denen noch vor wenigen Jahrzehnten ganze Kolonien des Fisck)- reihers horsteten, und Erlen, deren Stämme sich auf siel- zenartigen Wurzeln aus dem Sumpf erheben, mit wild- ivucljenldein Unterholz aus Hasel und Traubenkirsche, lianenartig durchschlungen von Brombeere, Geisblatt und wildem Hopfen. Hier iwt das Revier, in das man früher von allen Seilen her die Schtveine zur Eichelmast trieb. Nur zwei fahrbare Wege führten hindurch, der sogenannte Alleweg am oberen Ende der Schtvanhcimer Eichen, der über eine Kette von Sanddünen nach dem Zollstock an die Wadtschue-se führte, und der uralte Wanzenweg, der, vielleicht römischen Ursprungs, die Riedwiese vor Kelsterbach aus einem Damm durchschneidet und dann als Heideiuveg am Heidenschloß oder Althans vorbei in den Wald hinein läuft. Auch im Snyipswald ist die Flora eine eigenartige und sehr reiche; vor allem sind auch neben den Suinps- pflanzen die eigentlichen Wasserpflanzen in ihren für unsere Heimat charakierislischsicn Formen vertreten. Fau- nistisch interessant ist das Gebiet durch seinen Reichtum an selteneren Käsern und Süßwassermolluslen. Erst neuerdings ist hier das Vorkommen des in unserer Gegend so seltenen Springsrvsches nachgewiesen worden. Aiich die Bogelwelt ist mi Schutze des Sumpfwaldes »verhältnismäßig arien- und individuenreicher als in allen anderen Distrikten des Waldes. — Das zweite zum Schutzgebiet be- ftininite Gelände liegt unmittelbar hinter ben „alten I Eichen". Es ist alter „Plänterivald", besianden vorwie- ' gend mit Erlen, Birken, Vogelbeerbäunien, Traubenkirschen (Prunus padus), dazwischen Buchen uni» Nadelhölzer. Reiches Unterholz bedeckt den Boden, n>ai»tigfache Kräuter verleihen gerade diesem Waldstück einen ivildschonen Charakter. Hier ivuck/ern Farnkräuter, darunter die in der Medizin verwendeten zn»ei Arten des Wurvjirn; auch eine prächtige dekorative Pflanze unserer Taunuswälder, der rote Fingerhut (Digitalis purpuroa), hat sich neuerdings heimisch gemacht. — Für die beiden Schivanheimer Gebiete soll zwecks ihrer Erhaltung beantragt werden, den jetzigen Zustand dadurch zu gewährleiste», daß der alte Plantet betrieb beibehaken und ein Kahlschlag mit Neu» Pflanzungen unlersagt wird. — Hossentlich haben die stzm». pathischen Bemühungen der Senckenbergischen Gesellschaft um den Fortbes»ind dieser Zeugen alter Waldesherrlichkeit den Erfolg, den wir ihr mit allen Freunden der Natur unserer schönen Heimat von Herzen wünschen.
0 Begräbnis des Professor Dr. Andrene. Gestern vor. mittag wurde aus dein Frankfurter Friedhof die sterblich« Hütte des verstorbenen Direktors des Römer-Museums in Hildes'hcim, Professors Dr. Achill A n d reae, zur Erde ge. bettet. Die Tlauerfeier vollzog sich in aller Stille. In -<er Fliedhofhalle hatten sich die Verwandten und Freunde des Verstorbenen um den von Blumenspenden bedeckten Sarg oersarmnett und Herr Pfarrer Dr. Fö r st e r widmete dem Verblichenen, der seine letzte Ruhestätte in heiniischer Erde gefunden, herzliche Worte deß Abschieds. Neben der Frau und zwei unmündigen Knaben seien es die Mutter, die Geschwister und die große Familie, die im Heimgegangenen eines der edelsten Glieder betrauern. Eine groß«. Ernte der Dankbarkeit, Liebe und Ehrfurcht neige schioere Garben aus den Sorg. Neben den Männern der Wissenschaft stehen viele persönliche Freunde; auch schmückten K-änze einfack^r Leute, die dem Verewigten graben und sammeln halfen, die Bahre. Woher diese viele Liebe und Verehrung? Man kann den Gehalt dieser Persönlichkeit darein zusammen. fasjen, daß er ein Ackermann des Geistes tvar. Mit tief cindringcndein Nachdenken, dem Vermögen plastischer Anschauung und mit der Liebe und Hingebung gerüstet, die wahre Wissenschaft fordert, war er ein Meister, der die stumme Erde zum Reden brachte, der aus Trümmern das Ganze gestaltete. Viel hat er erkannt und viel gefunden. Aber ein Ackermann de? Geistes war er auch darin, daß er den alllebendigen Geist nicht nur erkennen, sondern auch zur Herrschaft bringen wollte. Mit eisernem Pflichtgefühl hat er bis in die letzten Wochen seine Berufsarbeiten getan. Große Gedanken und ein reines Gemüt machten den Wert seiner Persönlichkeit aus. Am Grabe selbst widmete im Auftrags der Senckenbergischen Naturforschendcn
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Gesellschaft deren erster Vorsitzender Herr Dr. I a s s o y dem so früh Tahingcschicdencn einen Kranz. Ter Verstor»
, bene sei Mitglied und Freund der Gesellschaft gewesen, obgleich er seit Jahren in Hildesheim lebte. TaS Römer» Museum, das er leitete, verdanke dem Wissen und dem Kunstsinn des Verstorbenen sein Aufblühen, doch sei der Verblichene bei all seiner Tätigkeit der Gesellschaft niemals fremd geworden. In kurzen Zwischenräumen kam er früher aus Heidelberg, später von Hildeshcim hierher, seine Mutter zu besuchen die ihm das ivar, was Frau Rat Goethe ihrem Wolfgang gewesen. Tann vergaß er aber auch nicht das alte HauS am Eschenheimer Tor. Der alte Frankfurter Stamm Andreas habe immer hervorragende, bedeutende und weitblickende Männer hervorgcbracht, mit dem Tahin- geschiedenen sei aber eines seiner edelsten Reiser geknickt worden. Kranzspenden waren u. a. noch nicdcrgetegt wor. den von der Verwaltung des Römcr-MuseuNis. von den , Geologen der technischen Hochschule und der geologischen Landesanstalt Stuttgart, vom Verein für Kunst und Wissen- I sck-aft in HildeSheim, von der Stadt Hitdesheim und von j dem Aufsichtöpersonal des Römer-Museums.
Geh. Reg.-Rat Prof. Dr- Rein in Bonn feiert am 27. Januar seinen 70. Geburtstag. Der ausgezeichnete Geograph wirkt seit 29 Jahren als akademischer Lehrer. Von 1856—58 war er Lehrer der Mathematik und Naturwissenschaften an der Scheib-Geissowschen Anstalt zu Frankfurt a, M., folgte dann einem Rufe an die Ritterund Domschule zu Reval in Esthland, bestand im Sommer 1859 an der Universität Dorpat die Prüfung pro kaoultats äocoväi. Vom Sommer 1861 bis Herbst 1863 lebte er im Hause des Generals Sir Herry Ord, des damaligen' Gouverneurs der Bermuda-Inseln, erst in Brighton, dann in Bermuda. Nach einer kurzen Reise durch Nord-Amerika kehrte Rein nach Frankfurt a. M. zurück, wurde Lehrer an der höheren Gewerbeschule für Chemie, Mathematik und Englisch, dann 1867 Oberlehrer der Naturwissenschaften an der Musterschule und im Ehrenomte zweimal Direktor der Senckenbergischen Ralurforichenden Gesellschaft zu Frankfurt a. M. 1874 und 1875 befand sich Rein im Aufträge der preußischen Regierung in Japan, vornehmlich u>n das Kunstgewerbe zu studieren und darüber zu berichten. Nach seiner Rückkehr wurde er o. Professor an der Universitär Marburg (1876—83), dann kam et in gleicher Eigenschaft nach Bonn, wo er bis jetzt erfolgreich tätig ist.
OgUche Rundschau.
1 . Februar 1905. — Nr. 53.
Kunst und
* Kleine Mitteilungen.
Die Senckenbergische naturforschende Gesellschaft zu Frankfurt a. M. ernannte Prof. Dr. R. Hauthal in La Plata, den Erforscher der Grypthotherium - Höhlen, und Karl Hagenbeck in Stellingen bei Hamburg in Anerkennung ihrer großen Verdienste um die Tiergeographie und die Eingewöhnung ausländischer Tiere zu korrespondierenden M i t/s.
—Todesfälle. Am Montag abend ist hier an den Folgen eines Schlaganfalles einer der ältesten Aerztc unserer Stadt, Herr Dr. Friedrich Gottlieb Schwenck, im 74. Lebensjahre gestorben. Er war ein Sohn des vor 41 Jahren hier verstorbenen Ghmuasialprofessors Dr. I.
C. Schwenck. Vor zwei Jahren feierte der Verstorbene das , 40jährige Jubiläum als Bibliothekar der Senckenbergischen s Bibliothek, voriges Jahr sein 50jähriges Jubiläum als > Arzt. — Gestern vormittag starb hier-, der langjährige Vorsitzende des hiesigen Vereins für gtzuerbestattung, Herr j Sanitätsrat Dr. med. et Phil. Philipp Fritsch, im Alter von 74 Jahren. Ter Verstorbene hatte sich bereits hör mehreren Jahren--von der Graxis zurückgezogen. — "> Am Samstag ist zu St. Moritz im Engadin der Teilhaber ' der hiesigen Wcinfirma Hinkel & Winkler, Herr Georg 1 Friedrich Peipers, im 62.. Lebensjahre gestorben, j
r Tokio, 18.Jan.l9v5. Die Deutsche Gesellschaft^! ,ür Natur- und Völkerkunde Ostasieus in Tokio ' hat Hrn. Prof. Rein in Bonn zu seinem siebzigsten Geburtstage am 25. Januar 1905 die Ehrenmitgliedschaft der Gesellschaft augetragen. Hr. Prof. Rein ging im Jahre 1874 als : Oberlehrer für Naturwissenschaften an der Musterschule und DiMLL^^kLSLMxMMi^MAklMchMe!i.Mejellschaft.Ltl j Araiiksurt. a, M. im^Kuftrage des Königlich Preußischen Handels-» »luiistenums'ilaE Japan, um die Industriezweige dieses Landes f sowie dessen Handel zu studieren. Auf Grund eines nahezu zwei- > Aufenthaltes während der Jahre 1874 und 1875
jährigen