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* Carlo von Erlangers Beerdigung. Aus Nieder-, Ingelheim, 8. Sept., berichtet man uns: Herbst­stimmung!. Und ein im Lebensfrühling stehender Manns wird zu Grabe geleitet! Die beiden Ingelheim begruben' heute einen ihrer besten Mitbürger, dessen Name weit über Deutschlands Grenzen hinaus einen hervorragenden Klang gehabt: Baron Carlo von Erlanger. Großartig war das letzte Ehrengeleit, welches dem Dahingeschie-. denen zu teil wurde; aus allen Teilen Deutschlands und' des Auslandes waren von hoch und niedrig, von be-^ deutendsten Korporationen Kranz- und Blumenspenden-! eingetroffen und am heutigen Begräbnistage bildete'^ Ingelheim den Mittelpunkt einer internationalen Trauerversammlung. Tie kirchliche Feier im Herren­hause leitete Herr Pfarrer H a r t m a n n - Ingelheim; im schier endlosen Trauerzuge, den die Jngelheimer Feuerwehrkapelle eröffnete, bemerkte man außer den Ver­tretern der Gemeinde und deren Vereinen das Offizier­korps der 14er Husaren, zwei Ulanen-Regimentsver- tretungen, den greisen Vater des Verunglückten, außer­dem zahlreiche deutsche und auswärtige höhere Militärs.

Auch der Besitzer des Unglücks-Automobils, Baron Haymerle, hatte seinem früh verstorbenen Vetter und Sportsgenossen das letzte Geleite gegeben. An dem Be­gräbnis nahm von Frankfurt die Direktion der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, vertreten durch die Herren Dr. Knob­lauch, Dr. Roediaer und Dr. Schnaudigel, sowie der Kon­servator des Museums Herr Adam Koch teil. Der^

1. Direktor Herr Dr. Knoblauch feierte den 33er=| storbenen, der der Gesellschaft als arbeitendes Mitglied angehört hatte, als den großen zielbewußten Forscher, der in jungen Jahren in hoher Begeisterung für die un-I mittelbare Beobachtung der Natur nach den Atlas-j ländern und Tunesien ausgezogen war, der als erster Europäer Nordostafrika von Abessinien zum Indischen Ozean durchquert und die von ihm bereisten Gegenden erst der Wissenschaft erschlossen hat. Von seiner reichen Ausbeute hat er die wichtigsten und interessantesten Stücke dem Senckenbergischen Museum überwiesen. Was Eduard Rüppell für die Gesellschaft zur Zeit ihrer Grün-! düng vor fast 100 Jahren war, das war Carlo von! Erlanger in der Gegenwart. Seine reichen Samm­lungen werden dem Museum in dem 2. Jahrhundert seines Bestehens das Gepräge verleihen. Mit innigen Worten der Dankbarkeit für alles, was der Verstorbene der Gesellschaft gewesen, als unermüdlicher Forscher, liebenswürdiger Kollege und treuer Freund legte Dr. > Knoblauch als letzten Gruß am Grabe des Heimgegan­genen den verdienten Lorbeer nieder. Sodann legte! Herr Rudolf S t e r n im Namen des Vereins für Geo­graphie und Statistik, dem der-Verstorbene als Ehren­mitglied angehört hatte, mit warmen Worten der Aner-i kennung seiner geographischen Verdienste eine Palme j am Grabe nieder. |

* Physikalischer Verein. DaS Vorlesungsverzeichnis für das Wintersemester 1904/05 umfofct folgende Vorlesungen: Montag und Dienstag, abends 78 Uhr: Professor Dr. M. Freund: Organische Experimentalchemie ierster Teils mit besonderer Berücksichtigung der Technologie und Exkursionen. Mittwoch, abends 67 Uhr: Dr. U. B e h n, Wärmelehre,Schiilervortrag). Il.Ueber bieVerklüssigung derGase. Donnerstag abends 78 Uhr: Dr. C. DeguiSne: Gleich- strommaschincn sAusbau und Schaltungen, Verhalten im Be. trlebs. Freiing, abends 78 Uhr: Dr. U. Behn: Experimentalphysik mit Berücksichtigung technischer A». ivendungen. in. Die akustischen Grundlagen der Musik. Samstag, abends 78 Uhr: Bortroge und Mitteilungen über neue Entöecknnge-r und Erfahrungen im Gebiete der Physik und Chemie, der Astronomie, Meteorologie und Elektrotechnik. Beginn der Vorlesungen: Dienstag, 28. Oktober.

* Frankfurt a. M., 29. September.

Der Aerztliche Verein und die medizinische Akademie.

! Wie wir schon mitgeteilt haben, beschloß der Aerztliche Verein mit 142 gegen 4 Stimmen, dem Magistrat eine Resolution gegen die geplante medizinische Akademie zu überreichen. Diese Resolution hat die folgende Fassung erhalten: Der Aerztliche Verein zu Frankfurt a. M. hält die Förderung des ärztlichen Fortbildungswesens .durch die Stadt auf der bisherigen Grundlage für dankenswert. Er spricht sich zur Zeit gegen die Errich­tung einer Akademie aus, weil 1. eine Verschmelzung der Akademie mit einem einzelnen Krankenhaus ohne Berück­sichtigung der seit Jahrhunderten bestehenden, hiesigen öffentlichen Krankenanstalten bedenklich erscheint, 2. die in der Magistratsvorlage Lezeichneten Aufgaben der Akademie: Ausbildung der jungen Aerzte in dem vorge­schriebenen praktischen Jahre und Fortbildung der prak­tischen Aerzte durch die hier bestehenden, in zweckmäßiger Weife auszugestaltenden Krankenhäuser besser erfüllt werden können, 3. Erfahrungen über eine solche zur Zeit nicht vorliegen. Er sieht das Wohl der Kranken besser gewahrt in mehreren dszentralisierten gleichwertigen Hospitälern als in einem einzigen, übermäßig großen, allein mit allen Spezialabteilungen ausgestatteten Krankenhause. Aus den Motiven, welche der Resolution beigefügt sind, heben wir folgendes hervor:

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Der Verein erkenne die Förderung an. welche das Krankenhauswesen und die öffentliche Hygiene durch die Maßnahmen der Stadtverwaltung erfahren habe. Gegen die Akademie aber müsse er folgende Bedenken geltend machen: 1. Dte geplante Akademie trägt den Charakter einer Hochschule. Die bisher in Köln und Düsseldorf beabsichtigten gleichen Institute sind vor der Hand als bloße Versuche zu betrachten. Die hiesige Akademie soll nach der Magistrats­vorlage nicht Studenten der Medizi» ausbilden, sondern junge Aerzte Las staatlich vorgeschriebene, praktische Jahr durchwachen lassen und hiesige, sowie auswärtige praktische Aerzte in Lehrkursen fortbilden. Für die Zurücklegung des praktischen Jahres seien aber Akademien weniger geeignete Anstalten, es bleibe daher neben der Ausbildung sür das praktische Jahr an hiesigen Krankenanstalten nur die Fort­bildung der praktischen Aerzte als Ziel bestehen, die bereits feit einigen Jahren einige Wintermonate hindurch in zahl­reichen Lehrkursen «ingeführt ist. Für Seide Wege der Aus­bildung aber bedürfe es des großen Rahmens und Apparates einer Akademie keineswegs. 2. Nicht unbedenklich erscheint es. mit der geplanten Akademie die Ausgestaltung unseres städtischen Krankenhauswesens zu verschmelzen. Eine Reihe von Kliniken. Polikliniken und wissenschaftlichen Instituten soll an das Städtische Krankenhaus angegltedert werden.

Es liegt die Gefahr nahe, daß die Zentralisierung so reifer Lehrmittel in einem großen Krankenharrse zu einer völligen Unterordnung der Krankenanstalten unter die Lchrzwecke der Akademie führen wird, während die Krankensürsorge und die Bedürfnisse der Bevölkerung in erster Linie maßgebend bleiben müssen. 3. Eine fernere Folge dieser Zentralisierung und reicheren Ausgestaltung wird fein, daß die übrigen Hiesigen, bewährten und nützlich wirkenden Krankenhäuser in ungerechtfertigter Weise zu Anstalten zweiten Ranges herab­gedrückt werden. 4. Die Erfahrung lehrt, daß in sehr großen i Krankenhäusern die individuelle FSexorge seitens der leiten- i den Aerzte und des Pslegepersonals. sowie die Beziehungen zu den Angehörigen und den früheren behandelnden Merzten erschwert sind. ö. Die Ausführung des Akadeuneprojekies hemmt durch starke finanzielle Belastung der Stabt die In­angriffnahme dringend notwendiger Anstalten: zur Unter­bringung unheilbarer Tuberkulöser, sür Epilevtische, für Nervenkranke, ein Säuglingsheim und ein Wöchnerinnen- heim. 6. Endlich ist jede Vergrößerung des möglichst un­günstig zwischen Eisenbahnwällen und dem Kohlenhafen ge­legenen Städtischen Krankenhauses vom sanitären Stand­punkte nicht zu wünschen.

Alle diese Nackteile der Zentralisierung schwinden, so sagt die Begründung weiter, durch die Fortentwicklung der bisher in der Stadt bestehenden Stiftungen zu voll­wertigen, d. h. mit Spezialbehandlung (für Frauen-, Augen-, Ohr-, Halskrankherten) und mit den modernen Einrichtungen der Krankenfürsorge versehenen Kranken­anstalten. Diese Fortentwicklung solle man im Auge be­halten. . . _

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* Zum Tode Carlo v. Erlangers schreibt dieKöln. Ztg.": Das im September gemeldete Ableben des Äfrika- forschers Freiherrn v. Erlanger hat in wissenschaftlichen Kreisen und insbesondere bei denen, die zu dem Verstor­benen einst in näheren Beziehungen standen, rechte Trauer erregt. Aus Aufzeichnungen, die ich anfangs des Jahres 1902 von dem von seiner dritten nordost­afrikanischen Expedition Zurückgekehrten erhielt, sei hier einiges mitgeterlt. Im November 1899 trat der junge Forscher von Aden aus die Reise an, die durch Abessinien bezw. Schoa, die Galla- und Somaliländer führen sollte, Gegenden, deren Durchquerung von früheren Forschungs­reisenden mit negativem, d. h. tödlichem Erfolg versucht worden war. Die Reise, die rund zwanzig Monate in Anspruch nahm, führte der kühne junge Forscher in Be­gleitung des Zoologen Oskar Neumann, des Arztes Dr. Ellenbeck, des Kartographen Holtermüller und des Prä­parators Hilgert, sowie unter der hinzugehörigen. Ge­folgschaft eingeborener Diener und Träger aus. Die Reise ging von Aden über Seila nach der Haupthandels­stadt Abessiniens, Harrar. Von dort wandte sich die Karawane südwärts über den Wabbi, an prächtigen. Wasserfällen vorbei nach Adis Abeba, der Hauptstadt des! Kaisers Menelik. Dieser, den Carlo v. Erlanger' als' eine interessante und imponierende Persönlichkeit schildert, bereitete der Expedition die freundlichste Auf­nahme; als die Reisenden in südöstlicher Richtung wejter- zogen, gab er ihnen eine militärische Bedeckung von 60 Askari mit, indem er den Soldaten sagte:Ihr sollt mit diesem Europäer gehen, er ist mein Freund; wenn er nicht wohlbehalten sein Ziel erreicht, dürft ihr nicht zurückkommen!" Der nun folgende Teil der Reise bot für die Karawane besondere Strapazen und Gefahren: ein Aufstand der Leute, Krokodile, Fieber, Tsetsefliegen,., alles das setzte den Europäern in der Wildnis hart zu. j Trotz aller Fährnisse erreichte Freiherr v. Erlanger in-j dessen schließlich über Bardera bin Kismaju an der Mün-l düng des Ganale in den Indischen Ozean,, wo er sich ein­schiffte. Es war, wie schon angedeutet, die e r st e d e r- artige Expedition, die ihr Ziele r -, reichte. Alle früheren Unternehmer, so auch der Frei­herr v. d. Decken, waren ermordet lvorden "der verun­glückt. Tie wissenschaftlichen Erfolge dieser Refte waren hocherfreulich, die mitaebrachlen Sammlungen gehörten I zu den bedeutendsten, die nach Europa gelangt find. ^

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