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frankfurter Nachrichten, Mittwoch den 12. Mar; 1902

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Wissenschaftliche Sitzung der Seucken- bergischen NaLursorscheuden Gesellschaft.

Samstag, den 8. März 1902. Vorsitzender: Oberlehrer I. Blum.

Der Vorsitzende begrüßt Freiherrn Carlo von Er- langer, der in der heutigen Sitzung über einen Theil seiner Forschungen in Abyssinien, den Galla- und Somali-Länden zu berichten die Güte haben wird und 1 drückt ihm im Namen der Gesellschaft seinen Dank aus! für die Zuwendung der vielen und werthvollen Säuge-, thierbälge aus den genannten Ländern. Der Vor-!

rende gedenkt dabei der Eröffnung des jetzigen alten! Museums im Jahre 1821. Damals, oder wenigstens bald nach Eröffnung, bildete die Nüppell'sche Reiseaus­beute, namentlich die der Säugethiere, den Glanzpunkt * des Museums. Und auch bei der Eröffnung des neuen! Museums wird wiederum eine prächtige Sammlung afrikanischer Säugethiere, die der Vortragende mit-! gebracht hat, sowie eine andere Säugethiersammlung! von der Ausbeute des Herrn C. G. Schillings,! welche die Gesellschaft der Hochherzigkeit des Herrn Ge»! Heimen Kommerzienrathes M. von Guaita ver-, dankt, sich als die hervorragendste Zierde der Aus-! stellungsräume erweisen.

Freiherr C. vonErlanger führte nunmehr über sein Thema

Arsgeographie und Hrmtßokogie von AVMinen, den Galla- und Somali-Ländern

Folgendes aus:

Der Vortragende beginnt, indem er die bahnbrechen­den Forschungen von Herrn Dr. Ed. Rüppell, welche heute noch für jeden Forscher afrikanischer Thiere eine unentbehrliche Grundlage bilden, erwähnt, und daß gerade auch die von Rüppell zuerst bereisten Ge­biete in zoographischer Hinsicht mit den von ihm er- forschten abyssinischen und süb-fchoanischen Ländern gleiche Formen der Fauna und Flora zeigten. Der I Redner war bestrebt,.insbesondere in zoogeographifcher

Richtung und über das Anpassungsvermögen der Thier-! Welt an ihrellmgebung, welche Wissenschaft, durchRussel Wallace 1876 gegründet, er für jedes in dies Fach ein­schlagende Studium als die fundamentalste schilderte,! die genauesten Beobachtungen zu machen. Er theilt die von ihm durchforschten Gebiete zoographisch in 6 ver-, schicdene. Den Ausgang nahm seine Expedition, nach einem kurzen Abstecher in Süd-Arabien durch die nörd­lichen Somali-Lande, welche er als das 1. Gebiet be­zeichnet. Der Redner hebt hervor, daß die Gebirgs­züge, und somit die Wasserscheiden identisch mit den Grenzen der einzelnen zoogeographischen Gebiete sind.! Die maritime Ebene des Nord-Somali-Landes beher­bergt einen großen Theil von paläarctischen Thieren, was durch die Arten Dipus, Galerita und TJromastix charakterisirt wird. Das nördliche Somali-Land steigt terrassenförmig auf, eine öde, wasserarme Ge­gend, die Heimalh der nomadisirenden Somali. Nach Vorlegung einer, diesem ersten zoogeographischen Ge­biet eigenen Vogelwelt geht der Redner auf die beiden nächsten von ihm bereisten zoogeographischen Gebiete über, in welche er das abyssinische Gebirgsland theilt. In drei Landschastsbildcrn wird lebendig Abyssinien, die afrikanische Schweiz, mit ihrer Fauna und Flora geschildert. Dann wendet sich der Vortragende zu dem vierten zo-geographischen Gebiet, welches den nördlichen Theil der ostafrikanischen Seenkette, ein abflußloses Gebiet behandelt. Hier liegen unter Anderem auch die Haupterfolgo, die der Reisende in geographischer Be­ziehung aufzuweisen hat. Zoologisch befinden wir uns hier in einem Mischgebiet zwischen nord-ost- und rein ostafrikanischen Arten. Das fünfte zoogeographische Gebiet sind die sich südöstlich an das abyssinische Hoch­land anschließenden Galla-LäNder. In dem südlichen Somali-Land, woselbst der Reisende bei Kismayu nach fast zweijähriger Reise die Ostküste erreichte, ist das letzte, sechste zoogeographische Gebiet zu suchen. In diesem letzteren weisen die Sammlungen viele Neu-! heiten ans, da es bis hierher keiner Expedition gelungen' war, diese von fanatischen Somalis bewohnten Länder zu durchqueren.

Zum Schluß gibt der Redner ein kurzes Referat über die bedeutenden mitgebrachten zoologischest^ Sanimlungen und spricht allen denjenigen Herren^ welche die Bearbeitung derselben übernommen haben,! wärmsten Dank aus.

Die ornithologischen Sammlungen, wohl die größ­ten, die je aus Afrika gekommen sind, 8000 Vogelbälge in 800 Spezies, werden von dem Redner selbst be- arbeitet.

Es folgen dann noch einige Angaben über die Tem­peratur- und Regenverhältnisse in Wyssinien, den Galla- und Somali-Ländern.

Nachdem die Versammlung dem Redner für seinen inhaltsreichen und lehrreichen Vortrag durch! allgemeinen und lange anhaltenden Beifall ihren Dank ausgedrückt hatte, nahm Herr Oberlehrer Blum nachmals Gelegenheit, dem Reisenden flir die inter­essanten Mittheilungen seiner Forschungsergebnisse und den fesselnden Einblick in die zoologischen Arbeiten der Reise selbst den Dank der Senckenbergischen Natur- forschenden Gesellschaft auszusprechen.^, .

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