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Literarische Besprechungen.
Müller, Hendrik P. N.: Land und Leute zwischen Zambesi und Limpopo. Mit einer Karte. Verlag von Emil Roth, Giefsen 1894. 8°. 165 S.
Die politischen Vorgänge der letzten Jahre lenken immer wieder die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf den Teil Afrikas, der in dem vorliegenden Buch in knapper, übersichtlicher Form geschildert ist. Einen Teil des grofsen Gebiets kennt der Verf. aus eigner Anschauung, den andern, umfangreicheren, bearbeitet er auf Grund eines Quellenstudiums, das mit einem Fleifs und einer Kritik durchgeführt ist, die nur Anerkennung verdient. Von dauerndem Wert ist der auch räumlich (42 S.) gröfste Abschnitt des Buches, der die Entwicklung der geographischen Kenntnis unseres Gebiets behandelt; er kann für diese Region geradezu als Nachschlagebuch empfohlen werden. Um so verwunderlicher ist es daher, wenn ein so klardenkender Mensch, als welcher der Verf. sich in seinen sämtlichen Schriften dokumentiert, zu der famosen Simbabye-Theorie von Selous in einer Weise Stellung nimmt, wie es hier geschieht. Nach dieser „Theorie“ hätte bekanntlich ein arabisches Handelsvolk vor zwei oder drei Jahrhunderten Simbabye, mit einem Baaltempel darin, erbaut, wäre dann nach Aufhören der Beziehungen mit dem Heimatland in den Eingeborenen aufgegangen und hätte damit die Mischlingsrasse der Bantu gebildet, die bis zum Kapland und Kongo verbreitet ist. Müller hätte dieses Produkt einer durch zwanzigjährigen Tropenaufenthalt überhitzten Phantasie vielleicht als abschreckendes Curiosum anführen können; dafs er sie auf Grund einiger Typen mit gebogenen Nasen und einer gewissen Würde des Auftretens ernsthaft kommentiert, ist nicht zu verstehen. Der geographische Inhalt des Werkes kristallisiert sich als erläuternder Text um die beigegebene Karte des Gebiets zwischen Sambesi und Limpopo (1 : 4 000 000), die, auf einem äufserst umfangreichen, im ersten Kapitel auch aufgeführten Material aufgebaut, wohl das Beste und Zuverlässigste ist, was augenblicklich über jene Region existiert. Recht kurz ist die Bevölkerung des Gebiets behandelt. Müller verweist in Bezug auf sie auf die von ihm vor einigen Jahren herausgegebene Mappe nach Art der „Artes africanae“ Schweinfurth’s. (Industrie des Cafres du Sud-Est de l’Afrique. Collection et notice ethnographique par Hendrik P, N. Müller. Description des objets reprösentös par Joh. F. Snelleman. Leyde 1892.) Will man ein Bild von den Eingeborenen gewinnen, so kann man in der That diese frühere Arbeit des Verf. nicht gut umgehen. K. Weule.
Paulitschke, Philipp: Ethnographie Nordost - Afrikas. Djfe geistige Kultur der Danäkil, Galla und Somäl. Nebst Nachträgen zur materiellen Kultur dieser Völker. Berlin 1896. Geogr. VerJ/ags- handlung Dietrich Reimer. 312 S. gr. 8°. •
Mit dem vorliegenden zweiten Band ist das umfangreich^ Werk über die Ethnographie Nordost-Afrikas zum Abschlufs gebracht, genau drei Jahre nach dem Erscheinen des ersten Bandes, der die .materielle Kultur der drei grofsen Völkerschaften des Osthornes behandelt (s. Verh. 1893. S. 417). Analog dem im ersten Band durchgeführten Schema unterzieht P. auch in dem vorliegenden zunächst die geistige Kultur des Individuums der Untersuchung, von dem sehr richtigen Standpunkt
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