Frankfurt a. 31t., Januar 1878.
Es war am Ilten August des vorigen Jahres, als mir zum ersten 3Nale ernstlich die Frage gestellt wurde: welchen Lebensberuf ich wäblen wollte. Ich hatte gerade das 17tc Jahr meines Lebens zuriickgelegt; und hatte versprochen mich an diesen Tagen zu entscheiden. Nteine Vorliebe für die Naturwissenschaft ließ mich nicht lange in Zweifel, welche Wahl ich zu treffen hatte: Ich beschloß Ostern das Abiturientenexamen zu machen, wozu mich ein 12 jähriger Besuch der 31tusterschule berechtigte, um dann auf eine Universität abzugehen. Damals konnte ich die nächsten Ziele, auf welche mein Studium gerichtet sein sollte nicht genau angeben; heute, wo ich dem Ende meiner Schul laufbahn beträchtlich näher stehe, ist mir der Weg, den ich zu verfolgen habe in allen Einzelheiten deutlich.
Von allen Zweigen der Naturwissenschaft stand mir stets die Phystk am höchsten. Ich erinnere mich noch genau der Stunde, in der Dr. Rein uns zum ersten Ntale die „allgemeinen Eigenschaften der Körper" nannte und wie ich dann schon die nächste Zwischenpause benutzte, um mir die Sätze, die mir ein Räthsel der Natur zu lösen schienen, einzuprägen. Ich darf behaupten, daß diese Vorliebe für Physik nicht nachgelassen hat. Ich könnte sogar sagen, daß dieselbe theilweise zu stark ist. Z. 23. für das Studium der Ebemie ist sie mir jedenfalls nachtheilig gewesen, die Ehemie als blose 2lnhäufung von Thatsachen befriedigte mich ebensowenig, wie die Geschichte, die mir auch solange fremd blieb, als ich sie für eine äußerliche Aufeinanderfolge von Ereignissen hielt. Die Theorie der Ehemie aber ist mir höchst interessant, weil sie eben wieder Phystk ist, d. h. darin besteht, etwa die chemische Affinität durch mechanische Anziehung zu ersetzen oder die verschiedenen chemischen Wirkungen der Ntodificationen desselben Stoffs aus eine Aenderung der Stellung der Atome oder der Ntoleciile zurückzuführen. Auch in psychologischen Dingen machte sich meine physikalisch mechanische Neigung geltend, Eharacter und