Senckenbergisch e Naturfbrsehende G-esellsch aft.

Frankfurt a. M., im August 1900.

Betr. Museums-Neubau.

Nachdem

bereits Herr Geh. Baurat Prof. Wallot in seinem Gutachten vom 5. April d. J.

auf die Unzweckmäßigkeit des ursprünglich von der Verwaltung beschlossenen Bauprogrammes hin­gewiesen hatte, hat neuerdings der durch Verwaltungsbeschluß vom 28. April d. J. mit der weiteren Bearbeitung des Projektes beauftragte Architekt Herr L. Neher gewichtige Bedenken gegen die Ausführung des Programmes geltend gemacht. In einem an die Direktion gerichteten Schreiben vom 30. Mai d. J. hat Herr Neher darauf hingewiesen, daß die Ausführung des ursprüng­lichen Entwurfes in praktischer Hinsicht eine äußerst ungünstige Ausnützung des vorhandenen Baugeländes bedeute, und besonders hervorgehoben,

1. daß die enorme Fagade des zukünftigen Museums, vom Eschenheimer Thor bis zur sog. »Radgasse« reichend, in architektonischer Hinsicht in keinem Verhältnis zu der relativ geringen Breite der Bleichstraße stehen würde,

2. daß mit Rücksicht auf die Architektur der Fagade das Hauptportal des Museums in den Mittelbau an der Bleichstraße zu verlegen sein würde, während dasselbe mit Rücksicht auf das öffentliche Interesse an die Hauptverkehrsstraße, d. h. gegenüber des Eschenheimer Turmes, gelegt werden müsse,

3. daß namentlich der Mittelbau, um den räumlichen Bedürfnissen der Gesellschaft zu genügen, eine Tiefe erhalten müsse, die eine richtige Beleuchtung wesentlich erschwere,

4. und daß schließlich eine bequeme Cirkulation der Besucher in dem neuen Museum nach seinem späteren Ausbau vollständig ausgeschlossen sein würde.

Gleichzeitig hat Herr Neher die Grundrißskizze zu einem neuen Projekte, welches die erwähnten Mißstände zu beseitigen sucht, eingereicht. Dasselbe sieht den Hauptbau des zu­künftigen Museums mit relativ kurzer Fagade am Eschenheimer Thor und symmetrisch anschließend zwei längere, durch einen hinteren Querbau verbundene Flügel an der Bleichstraße und an der Stiftstraße vor. Es ermöglicht zudem die Erhaltung und weitere Benützung des Anatomiegebäudes, während die Ausführung des ursprünglichen Projektes die Niederlegung desselben vor Beginn der Neubauarbeiten, und sofern mit den letzteren vor Verlegung des pathologisch-anatomischen Instituts in das jetzige Gebäude des Physikalischen Vereins begonnen werden sollte, eine provisorische Unterbringung des pathologisch - anatomischen Instituts in anderweitigen Räumen erfordern würde.

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