en Vorschriften unsrer Statuten gemäß habe ich heute in kurzer Uebersicht zusammenzufassen, was das abgelaufene Jahr unserm Verein an Leid und Freude gebracht und was Alles in diesem Zeiträume geschehn, das seinem Bestehn zur Ehre oder als Bürgschaft dienen könnte.

Nehmen wir das Leid vorweg, so hat es nur in dem be- klagenswerthen Hinscheiden drei unsrer verehrtesten Genossen be­standen. Zuerst Adalbert von Chamisso, der in seltner Vereinigung nicht nur ein hohes Dichtertalent mit der besonnen­sten Anschauung jeder naturhistorischen Specialität verband, son­dern der die viel seltnere Gabe besaß, auf das Gedicht die Strenge der Form, auf die Beschreibung des Naturkörpers die dichterische Auffassung anzuwenden, ohne daß eins von beiden aufgehört hätte, ganz das zu sein, wofür es sich ausgab. Wiewohl er die Gesellschaft schon längst nicht mehr besucht hatte, ward sie doch erst mit seinem Tode inne, was sie an ihm verlor. Dann der Staats-Minister und Groß-Kanzler vonBeyme der mit edlem Eifer unserm Verein, wie jedem aufrichtigen und ernsten Streben in der Wissenschaft geneigt war, und dem wir nicht vergessen wollen, daß er einen wesentlichen Antheil an der Gründung der Berliner Universität gehabt. Endlich Geheimerath Erb kam, das Muster treuster Dienstpflicht bei regster Hinneigung zu freier wissenschaftlicher Thätigkeit, so auch unserm Verein mit voller Liebe angehörend, die ihm die liebste seiner Erholungen gewährte. Widerwärtiges haben wir sonst nicht erfahren, denn die ander­weitig Ausgeschiedenen sind die Unfern geblieben auch in der Entfernung.

Unsre Versammlungen haben in ununterbrochner Regelmä­ßigkeit Statt gefunden und sind zahlreicher besucht gewesen, als je. In jeder derselben wurden die neuen Erscheinungen der geo­graphischen Litteratur durch Herrn Tuch und einige andre Mit­glieder zur Ansicht dargebracht und viele werthvolle Werke, deren Namen der Anhang nennt, gingen als Geschenke in die Biblio­thek der Gesellschaft über.

Auch im abgelaufenen Jahr wurde die Gesellschaft durch die Mittheilungen der Herrn Mädler, Galle und Wolfers

in zusanunenhängender Kenntniß mit den neuesten astronomischen Forschungen erhalten. Bessels allgemein bewunderte Methode der Berechnung der Entfernung des Fixsternes 61 Cygni wurde durch sie zur Sprache und zum Verständniß gebracht; die in die­sem Jahrhundert noch bevorstehenden Sonnenfisternisse und Ve­nus-Durchgänge von Herrn Mädler angezeigt, der auch seine Abhandlung über den Einfluß des Mondes auf die Temperatur an der Erdoberfläche mittheilte, und der Gebrauch der Chrono­meter nach den neuesten Verfahrungsweisen von Herrn Wolfers besprochen. Ueber die Temperatur-Verhältnisse auf der Erdober­fläche, die Vertheilung der Wärme und den thermischen Aequator stellte Herr M a h l m a n n die neuesten Ergebnisse zusammen. Von der Zunahme der Bodentemperatur in der Tiefe theilte Herr Wolfers aus Beobachtungen, die an einem Bohrloch in West­falen angestellt waren, ein interessantes Beispiel mit, von der Temperatur einiger Holen in Schweden und Frankreich handelte Herr Min ding, die Resultate mehrjähriger meteorologischer auf dem Gipfel des Brockens eingestellter Beobachtungen gab Herr Mädler. Herr Steffens setzte die Gesellschaft von den ihm unmittelbar zugekommenen Berichten des Herrn Hallgrin- son über die neuerliche Ermittelung des Wärmegrades der heißen Quellen in Island, namentlich des Stockr in Kenntniß, und zeigte wie lehrreich für die Vorstellungen von der Natur der Erd­rinde, solche eben so sinnreich als genau angestellte Versuche werden können.

In Beziehung auf den Ocean und die Bewegung seiner Waffermasse waren insbesondre Herrn Doves Mittheilungen der von Whewel und Lubbeck angestellten Untersuchungen über das Fortschreiten der Fluthwellen und deren durch die Gestalt der Küsten bedingte Höhe von Belang. Diesen schlossen sich Herrn Ermans Berichte über die Strömungen an der Ostküste Asiens an.

Unter den ausgearbeiteten Vorträgen über einzelne Gebiete der Erdoberfläche ist vor allen der zu nennen, mit welchem Herr von Humboldt die Gesellschaft an ihrem Stiftungsfeste erfteute und in welchem er die Hochebene von Bogota nach ihren viel-