Deutschland.

f Wiesbaden, 23. Juli.Herr, halte ein mit Deinem Segen!" sa^te ein armer Landgeistlicher aus dem Westerwald, nachdem ihm seine Amu Drillinge geboren hatte» Dreses ist auch der allgemeine Schmer­zensschrei in unserem Ländchen, welches gleich den übrigen neuen Pro­vinzen fast täglich mit drei neuen Verordnungen beglückt wird. Gegen! die Einführung des preußischen Wehr- und Steuersystems haben hier nur die Adolfikn gemurrt, die gegen alles murren, was von dem modernen Babel Berlin" kommt. Wir Anderen haben uns bereit-1 willig darein gefügt. Wir hofften im Uebrigen, daß die Zeit der könig­lichen Dictatur zur Fegung unseres Augiasstalles von den Niederschlä­gen der grosideutschen Mißrcgierung benutzt und die weitere Fortbil­dung dem verfassungsmäßigen Zeitraum vom 1. Oktober d. I. anl Vorbehalten, bleiben werde. Es wäre unrecht, bestreiten zu wollen, daß wir der königlichen Dictatur bereits wesentliche Reformen und Verbesse­rungen verdanken. An der Spitze steht die Aufhebung des Jagdrechtes auf fremdem Grund und Boden. Leider ist der Vollzug des Gesetzes d^rch die von der hiesigen Bezirks-Regierung erlassene Instruction, welche die Grundeigenthümer zu bevormunden und den übermäßigen Wildstand zu conserviren strebt, verkümmert; und die ans dem Wider-1 stände der Grundeigenthümer entstehenden Reibungen haben die Ver­pachtung der Jagden um ein Vierteljahr verzögert, während dessen sich! Wilderer-Banden gebildet und die gouverp.ementale Absicht der Confer-! virung des Wildstandes doch auf has gründlichste vereitelt haben. Ntitten in die in Folge dessen behende Mißstimmung fällt nun der Gesetzgebungs-Wolkenbruch, wacher selbst die stärksten Nerven angreift und das ganze Gebiet d-c Legislative so erschöpfen zu wollen scheint, daß siir die Landständ;, welche wir im October zu wählen haben, auch nicht ein Tropfen 'mehr übrig bleibt. Ein besseres Mittel, oppositionelle I Wahlen zu erzi^en, konnte nicht gefunden werden. Es erinnert an den Ausspruch des Fürsten Blücher, daß dieFederfuchser" wieder verder­ben, was Schwert errungen hat. Heute zum Beispiel ist eine Ver­sammlung Seitens der Bezirks-Regierung berufener und auserwühlter Landn^krthe hier anwesend, um einen Gesetzentwurf zu berathen, welcher un^er bisheriges, als trefflich bewährtes Confolidationswesen umformen <oII, und zwar im Sinne des altpreußischen Separations-Verfahrens, das aus unsere rheinisch-fränkische Flur-Verfassung paßt wie eine Faust aufs Auge. Der Entwurf ist von einem altpreußischen Assessor und vov einem nassauischen Amtmann, der nur den sterilen Westerwald mit seinen Viehweiden kennt, jedoch einige höchst confuse Bücher über unser Confolidationswesen geschrieben hat, fabricirt und erregt bei unseren Landwirthen ein wahres Grausen. Alle Welt fragt sich: wo soll das hinaus? Ist das eine konservative Negierung, die auch auf den Ge­bieten. wo die Staatsraison dies gar nicht fordert, sondern die so recht -eigentlich eine Domaine der bürgerlichen und wirthschaftlichen Gesellschaft stnd, ohne und sogar gegen den Willen der letzteren, Alles uniformiren, nrvelliren, reglementiren will? Sie wissen, daß ich gut preußisch bin, und zwar nicht erst seit 1866. Wir kennen uns ja schon so lange. Aber: Amica Bovussia, magis amica veritas! Es ist die höchste Zeit, daß der wild dahin stürmende Renner der Gesetzgebung wieder ?twas kurz gefaßt wird. Sonst rennt er Land und Leute um..

* Nürnberg, 25. Juli. Der Prinz Adalbert und der Minister- Präsident Fürst Hohenlohe sind hier angekommen. Der Sultan trifft heute Abend 10 Uhr incognito ein, daher sind alle militärischen Em­pfangs-Feierlichkeiten, ausgenommen die Ehrenwache, abgHagt.