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vorsinden. Diese Maßregel hat die Regierung ge­gen ihn zu ergreifen für nöthig gehalten.

Die legitimistische Partei hat durch den Tod des Marquis von Dreux-Breze, ehemaligen Ober- Ceremonienmeister Ludwigs XVIU. und Karls X., einen großen Verlust erlitten. Man beabsichtigt, ihm ein Denkmal zu errichten, und die Herren von Fitzjames und de Larochejaquelcin stehen jeder mit 500 Fr. an der Spitze der Unterzeichner.

Die Berichte des Marschalls Bugeaud und an­derer Generale in Algerien, welche die Regie­rung jetzt veröffentlicht hat, befriedigen durchaus nicht. Zunächst hebt man hervor, daß der Be, riebt des MarschaUs vom 9. November datirt, also schon sehr alt ist. Und doch hat man Nach­richten von ihm bis zum 24. November. In die­sem Augenblick rückte er gegen die Flittas vor, einen mächtigen Stamm, der sich schon so manches Mal unterworfen und wieder aufgelehnt hat und der jetzt größtentheilS bereits nach der Wüste zu ausgewandert ist. Wir haben dort mit einem un­erreichbaren Feinde zu thun, der überall ist, den man aber nirgends anzutreffen vermag, um ihn zu bekämpfen und zu vernichten. Auf dem einen Punkte zwingt man einen Stamm zur Unterwer­fung, mittlerweile empören sich aber auf einem an­dern Punkte zwei Stämme. Im Ganzen scheint die, Lage der Dinge sich noch wenig verbessert zu haben.

Die Wahlrcform, wovon die Gazette de France ihre Leser seit zehn Jahren unterhält und womit sie tagtäglich die Hälfte ihrer Spalten an­füllt, scheint jetzt auch von mehren andern Oppo-, sitionsjournalen zum Streitroß auserkoren. Man beabsichtigt, diese Frage abermals vor die Kam­mer zu bringen und mit Nachdruck zu betreiben, d. h. dem Ministerium eine neue und große Ver­legenheit zu bereiten. Die Gazette de France ver- langt nicht weniger, als daß ein jeder französischer Staatsbürger Wahlrecht erhalten solle. Man klagt jetzt, daß die Wähler, weil sie in zu kleiner An­zahl seien, bestochen werden: sollte die Bestechung nicht auch bei den Massen anzuwenden sein? Könnte cs uns nicht eben so gehen, wie in Eng­land, wo die Stimmen fast'öffentlich feilgeboten und angekauft werden? Unser jetziges Wahlgesetz lästt sich allerdings verbessern. So z. B. ist nicht abzusehen, weshalb eine große Anzahl von Män­nern, die liberale Professionen betreiben und durch Studium Kenntniß und Einsicht erworben haben, einzig und allein deshalb, weil sie nicht 200 Francs Steuern zahlen, kein Wahlrecht haben sollen, während Gewerbsleute und Bauern es be­sitzen, und zwar wieder nur aus dem Grunde, weil sie 200 Francs Steuern bezahlen. Eine solche Bestimmung läßt sich nicht rechtfertigen; eben, so wenig aber'würde die Verleihung des Wahlrechts an die große Masse sich rechtfertigen lassen. Da­durch würde der Regierung jede Einwirkung auf die Wahlen entzogen und diese ganz und gar den ehrgeizigen Ränkeschmieden in die Hände fallen, welche die Leidenschaften und die Habgier der Menge sich zu Nutze machen würden.

Eine Gräfin S a m o i lo ff, geborne Pahlen, aus einer der vornehmsten russischen Familien, hat hier jetzt einen einfachen Doktor der Medizin ge- heirathet, der Perry heißt und 30 Jahre alt ist. Die Vermählung fand in der vorigen Woche Statt und hat viel zu reden gegeben. Bis zum letzten Augenblick wurde von gewissen Seiten Alles auf- geboten, um die Verbindung zu verhindern; ja man schrieb sogar an die Polizei-Präfektur, Hr. Perry sei verheirathet, habe Kinder rc^ Der glück­liche Gatte verstand aber, alle Hindernisse zu über« winden.

Groschritannien.

London, 3. Dez. Dergestrige Kabinetsrath hat3'/r Stunden gedauert, aber die Londoner Gazette enthält nach immer nichts Neues. Die Times bemerken darüber: Die Ehrfurcht, welche Untertha- nentrene uns vor I. Maj. Rathgebern zu hegen zwingt, erlaubt uns die Nermuthung nicht, daß sie einen Tag um den andern sich versammelt, ohne sich endlich zu irgend einer entscheidenden Maßregel zu einigen und zu Beweisen, daß sie die Sache ernst­lich erwogen haben, bereit zu sein. So vielfaches Berathen muß doch irgend etwas zur Folge haben. Dies nirgend etwas" sollte doch nun endlich an den Tag kommen. Wenn noch ein Kabinetsrath angekündigt werden sollte, so müßte dies durchaus derallerletzte" sein, oder das Publikum wird an­fangen, all dieser fruchtlosen Wiederholungen über­drüssig zu werden. Es erwartet für die nächste Zukunft entweder eine durchaus entschiedene Ein-

des Rheinischen Beobachters. 7 . Dezember 1845

Helligkeit oder eine nicht mind^ durchgreifende Meinungstrennung innerhalb des Kabinets; aber etwas, meint es, müsse doch t0i so vieler ver- verborgenen Weisheit zu Tage Kbracht werden". Hierauf geht dann der Artikel der Times auf Peel's schon letzthin von bemsilbin Blatt hervor­gehobene falsche Stellung zwil'äm seinen Prinzi­pien und seinen Partei-Interessen, so wie auf die Spaltung innerhalb des Kasinete ein und schreibt dem überwiegenden militärischen, d. h. Welling- ton'schen Einfluß dis bisherige Urithätigkeit desKa- binetS zu. Daher schließt auch >er Artikel, nach­dem er durch Zahlen und Raisvlmments das Vor­handensein eines Mangels an Lebensmitteln in jeder Beziehung nachzuweisen zesucht, mit einer direkten Wendung gegen den HrM v. Welling­ton, der doch als Soldat selbst erfahren habe, was es heiße, durch Mangel an Leben-Mitteln in seinem Siegesläufe aufgehalten zu werten, und von dem es daher zu verwundern sei, daß er nicht gelernt habe, mit den britischen Fabrikanten und Kaufleu­ten Mitleid zu hegen, deren Spekulationen vom Vorhandensein hinreichender Lebensmittel gerade so abhiagen, wie die kriegerischen Operationen einer Armee.

Der gegenwärtige Zu stand von Irland, sagt die Times, erinnert an die Erscheinungen, welche ein römischer Geschichtschreiber als die Ursachen vom Zerfall des Kaiserreiches angegeben: Abfall und Ge­setzlosigkeit entfernter Provinzen, nur mit dem Unter­scheid, daß das anarchische Gebiet bloß 12 Segel­stunden von uns entfernt ist. Zeder Tag berichtet von neuen Mordthaten und Verbrechen, besonders in Tipperary, und dav Gesetz scheint eher zum Spotte, als zum Schutzs und zur Hülfe zu dienen. Findet ja doch der Mörder mehr Sympathie als sein unglückliches Opfer. Pachlaustreibungen ha­ben zu manchem Meuchelmorde Veranlassung ge­geben , obgleich sie sehr häufig durch den Zustand des Bodens und den elenden Betrieb des Acker­baues nöthig gemacht waren, obgleich in den mei­sten Fällen eine Entschädigung gegeben wurde oder thatsächlich eine Uebereinkunft zwischen Gutsherr und Pächter stattfand.^ Di« Vehörden in Tip­perary stellen aber eine solche Ursache für die ge­genwärtigen Gewaltthaten in ihrer Grafschaft durch' auö in Abrede. Es ist nicht era gegen vre

Reichen und Grundherren oder gegen die Pachter selbst, sondern gegen die Arbeiter sind die Drohun­gen und Verbrechen gerichtet. Jeder Mann in einem Aemtchen, jeder Hüttenbewohner, der auf mehrere Jahre eine kleine Pacht ankritt, der Arbeiter, der eines Andern Tagewerk übernimmt, ist der Gegen­stand von Drohungen und Gewaltthätigkeiten. Hier sind durchgreifendere Maßregeln erforderlich, als die höfliche Antwort, welche Lord Heytesbury dem Magistrat von Tipperary gab, als dieser ihn um Schutz dagegen anging. Etwa-, sagt zum Schluffe die Times, muß zur "Herstellung des normalen Zu­standes geschehen, und sollte dieses auch etwas Un­konstitutionelles in einem Lande sein, in welchem ein« Konstitution nicht zureichend ist; dieses Etwas muß aber bald geschehen.

Der Primas von Irland hat den Entschluß ausgesprochen, einer jeden der zu errichtenden drei Lehranstalten jährlich 1000 Pfund Sterling zur Errichtung eines Lehrstuhls der katholischen Theologie zu gewahren.

Die Zeit, binnen welcher sich die Seekapi- tane zu erklären hatten, ob sic die ihnen von der Admiralität angebotene Pensionirung zu 1 Thlr. 25 S g r. pr. Tag nebst anderen Borlhcilen an- nehmen wollten, ging am 3. Dez. zu Ende. Bis dahin hatten sich 280 Kapitäne zur Annahme ge­meldet. Die Zahl der Admirale ist jetzt 154, soll nun aber dadurch vermindert werden, daß nur nach dem Tode von drei Admiralen Ein Kapi­tän zu diesem Range erhoben wird.

In Kanada beschäftigt man sich mit der Anlegung von Festungswerken. Auch ist ein Armeebefehl erlassen worden, daß sammtliche^ Of­fiziere sich zum aktiven Dienst bereit halten sollen.

Im Allgemeinen erklärt die Times sich hin­sichtlich der Oregon frage durch die von Herrn Webster geäußerten Ansichten der nordamerikanischen Whigpartei befriedigt. Sie hebt aber hervor, daß das dies die Gesinnungen einer Minoritatsind,die nicht einmal die Erwählung Pvlk's zur Präsidentschaft habe hindern können. Außerdem sei die von Webster angeführte und von den Bereinigten Staaten noch iin vergangenen Jahre vorgeschlagene Grundlage der Unterhandlungen von der Art, daß die britische Regierung niemals darauf eingehen könne. Den 490 Grad zur Grundlage nehmen, hieße englischer Seits die Niederlassungen derHudson's-Bay-Kom-

pagnie und den Kolumbia aufgeben. Der Beschluß das gegenwärtige System gemeinsamen Besitzes durch zwolfmonattiche Kündigung aufzuheben, werde im Repräsentantenhaus« mit großer Stimmenmehr­heit gefaßt werden; was dagegen der Senat thun werde, sei noch zweifelhaft. Herr Calhoun ist De­mokrat und ein eifriger Beförderer dev Einverleibung von Texas gewesen. Tritt er jedoch wieder in den Denat ein, so muß er noch dem seiner Partei ge­gebenen Worte für den Frieden stimmen. Ein halbes Dutzend Demokraten werden ihm folgen und mit den Whigs vereinigt, können dies, dann jeden kriegerischen Antrag verwerfen. Herr Polk scheint dies zu hoffen und zu erwarten, weil er auf solche Weise den Krieg vermeiden kann, ohne seine Popularität zu gefährden.

Die Begebenheiten in Algerien, sagt die Times, haben wahrend der letzten 6 Wochen hinlänglich gezeigt, daß die Berichte über die schwierige Lage der französischen Truppen und die Unmöglichkeit, den Aufstand in dieser Jahreszeit zu dämpfen, nicht übertrieben waren. Abd-el-Kader hält sich freilich noch immer auf der marokkanischen Grenze, aber seine Unterbefehlvhaber führen einen sehr ausgedehn­ten uitd wohlberechneten Offensivkrieg, unter dem selbst große französische Truppentheile nicht wenig leiden. Man hatte im Anfang erwartet, der Krieg würde nach Marokko hinübergcspielt werden; die ersten Operationen Lamoriciöre's waren erfolgreich; Marschall Bugeaud marschirte an der Spitze von 6000 Mann bis Tiarek, um sich mit den 25,000 Mann unter Lamoricivre zu vereinigen und Abd­el-Kader an der westlichen Granze der französischen Besitzungen anzugreifen die Araber aber machten eine Bewegung nach Nordosten, die Bugeaud am Vorrücken hinderte und den Krieg weit in die französichen Besitzungen brachte. Bou-Maza bar den ganzen Distrikt von Orleansville und die Ge­birgsgegenden an beiden Ufern des Cheliff zum Aufstande gebracht, die Frankreich ergebenen Stam­me gezüchtigt und sogar Tenez an der Seeküste zwischen Mostaganem und Algier anzugreifen ge­wagt, wo er mit Mühe zurückgelrieben wurde. Um Bou-Maza nicht im Rücken zu lassen, mußte Bu­geaud sich nach dem Cheliff wenden, und mir Gerrerat Bedeau, der in Medeah kommandirt, ver­einigt, tzärre er Bou-Maza zu einem schleunigen Rückzug« nöthigen können. Da brach aber ein neuer Aufstand in der vorher so ruhigen Provinz Konstantine aus. Daduch war nun Genera Bedeau genöthigt, sich ostwärts, von Medeah nach Hamza, zu begeben, wo er die Treue vieler wankenden Stämme zu befestigen haben wird. Die Provinz Algier und die Ebene der Metidja sind ruhig, was mau wohl der Anwesenheit einer bedeutenden Besatzung zuschreiben muß. Uebrr'gcns sind die Franzosen überall sehr in Anspruch genommen, und wenn Bou-Maza nicht bald von der Sceküsie ent­fernt wird, so hat ein Einfall desselben in Algier selbst gar nichts Uebcrrafchendes. Die letzten 6 Wochen also sind die Franzosen auf die bloße Defensive beschrankt gewesen, und der Umstand, daß Bugeaud an der Spitze von 100,000 Mann noch immer größere Verstärkung verlangt, zeigt hinlänglich die Art und Weise dieses Krieges. In der Thal sind auch zwei große Armeen erforderlich, eine zur Offensive, die ander« zum Schutze.

Ju der Versammlung der königl. Societat wurde am 27. Nov. eine Schrift Faraday'S über die Magnetifirung des Lichtes und die Er­leuchtung magnetischer Linien verlesen. Schon langst war der Verfasser mit Untersuchungen über die Verwandtschaft der Imponderabilien be­schäftigt. Elektrizität und Magnetismus haben schon hinlänglich die gegenseitige Verwandelbarkeit be­wiesen; es gilt nun, die Beziehungen dieser Kräfte zum Lichte aufzufinden. Anfangs hatten Faraday'S Untersuchungen keinen Erfolg; zuletzt aber kam er zu der Entdeckung, daß ein Lichtstrahl elektrisirt und magnetisirt und daß magnetische/Li'nien leuch­tend gemacht werden können. Das Hauptexperi­ment sst folgendes: Der Lichtstrahl einer Argand'- schen Lampe wird zunächst durch Reflektion von einem Glasspiegel in der Horizontalebene polarisirt und dann eine Strecke durch ein aus Bleisilicium­borat zusammengesetztes Glas hindurch geleitet; bei dem Austritt ans demselben wird er durch ein Nichol'- sches Augenglas betrachtet, welches sich auf einer Horizontalaxe umdreht, um den Strahl entweder zu unterbrechen oder ihn abwechselnd durch die ver­schiedenen Phasen seiner Umdrehungen hindurch zu lassen. DaS Glas, durch welches der Strahl geht' und welches Faraday dimagnetisch nennt, wird zwi­schen den Polen eines kräftigen Elektromagnets so aufgestellt, daß die durch ihre vereinigte Wirkung

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