Dezember

Frankfurt a. m., -September 1906.

Am 28. Februar 1907 werden es 200 Jahre, daß einer der größten Söhne unserer Vaterstadt das Licht der Welt erblickte:

DR JOHANN CHRISTIAN SENCKENBERG.

Ungefähr gleichzeitig mit dieser Jubelfeier wird Senckenbergs ehrwürdiges Vermächtnis, die älteste hiesige wissenschaftliche Stiftung durch ihr Anwachsen und die Ausdehnung ihrer Bestrebungen genötigt, die von Senckenberg selbst gewählte und erbaute Heimstätte zu verlassen. Sie muß mit ihren blühenden Tochtergesellschaften neue und größere Bauten beziehen.

Die Unterzeichneten fordern die Bürgerschaft auf, diesen Erinnerungstag dadurch zu ehren, daß sie der Stiftung eine Gabe weihen, die im neuen Bibliotheksgebäude Aufstellung findet, das ebenso wie das alte nach Senckenbergs Bestimmung den Zusammenkünften der Ärzte zur Beratung über das öffentliche Wohl dienen soll.

Senckenberg wollte in seinem Stiftungshause der ärztlichen Kunst und naturforschenden Wissenschaft einen Tempel bauen. Er hat ihn selbst in patriotischem Sinne mit Bildern hervor­ragender Ärzte und Naturforscher seiner Vaterstadt geschmückt. Die Porträts wurden ihm damals von Frankfurter Familien bereitwillig überlassen; sie wurden auch späterhin durch Schenkungen und Vermächtnisse bedeutend vermehrt.

Die Sammlung von Ölbildern Frankfurter Ärzte, welche die Dr. Senckenbergische Stiftung besitzt, reicht bis in das Jahr 1638 zurück. Sie ist von hohem lokalhistorischem und zum größten Teil auch von bedeutendem künstlerischem und kunstgeschichtlichem Wert. In ihrer Art ist sie vielleicht die größte, welche in Deutschland existiert, und von jener Zeit ab, bis auf wenige Lücken, die ergänzt werden können, vollständig für die Physici primarii, die Vorsteher des hochangesehenen Frankfurter Sanitätsamtes. Es fehlen aber aus alter und neuer Zeit Bilder von bedeutenden Frankfurter Ärzten und Naturforschern, die sich sicher noch jetzt beschaffen lassen.