A"

Mon Frere!

Das geehrte vom 20 ten hujus habe gestern erhalten, und mein letztes war vom 20 ten ebenfalls.

Wegen des Zwingers-habe noch kein Decret, wird auch wohl nun nicht eher als nach dem Neuen Jahr erfolgen.

Inzwischen ist am verwichenen Dienstag 23, ten hujus Syndicat Wahl gewesen, und Stadtschreiber Hofmann durch den ordentl.n Weg der Kugelung worden, was er durch dispensation gesuchet hat. Ich höre Synd. Gelf, oder vielmehr unser Bruder hat seine vorgegebene excellente qualitäten zu Wien ex ipsis factis trefflich gemahlet. Er ist von der Faction der jungen Rathsherren, und ich wünsche ihm

und ihnen ein redliches Hertz und guten Kopf, zum wahren besten

*

unseres Vatterlandes. Merkwürdig ist, daß noch nicht ein einiger von allen, welche dispensation gesucht haben, durch diesen Weg et­was erhalten hat. Der Großhans F.M.v.Lersner, der sich alle Mühe gegeben den Bürgervertrag und die Kayserl. Resolutiones abzuändern brachte bey völliger Gesundheit morgends das Decretam eligibilita- tis vor seinen leibl. Schwager von Glauburg in den Rath, stellte darauf als Zeugherr einen Bürgerlichen Fähndrich vor, war Nachmit­tags bey dessen Mahlzeit, und starb schnell Abends um 5.Uhr, wod durch jener via ordinaria eligible wurde.

In der Syndicatswahl wareh neben Hofmann, Lautz u. Häberlein, Hofraths Luthers Tochtermann, den sonderl. Dr.Siegner portirt, und der an ihm einen Syndicum haben wollen, der zu seinem Gebot stünde Die medisance sagt gar, er bediene ihm die Frau, wie er denn ein großer Liebhaber ist von Cerere, Baccho u.s.w. Verschiedene Schöf­fen sagten mir, es haben zu dem Syndicat sich von unseren Advoca- ten gar. keiner gemeldet, der einige Rath Schweitzer ausgenommen, der vormals nur auf einen Notarmum studlrt hatte. Die Ursachen mögen seyn 1) daß man schon lange zuvor gewußt, wer in die Wahl würde kommen; 2) die factionen, die keinen anderen zulassen, hls den sie haben wollen und vom wem sie disponiren können, denn auf die Redlichkeit und Geschicklichkeit kommt es gar nicht an;3) die Faulh&it und conscientia ignoramtiae testis, welche jetzt bey uns ein malum endemium ist , da Senatores ejusdem fa&%*^ ihres gleichen hervor suchen, die nach ihrer Pfeife tanzen und sie übersehen kön­nen, woraus dann folgt daß die ignoranz und Bosheit wohl belohnt, brauchbare Leute aber und welche cordat sind, gehasset und ver­folgt werden. Ich sagte ihnen, wenn wieder eine Wahl wäre, wollte ich darüber bey Mon Frere zu Wien anfragen, da Mon Frere das gantz Reich bekannt ist, und es an subjectis nicht fehlen sollte. Das Studium partium aber wie oben gedacht, leidet nicht, ohne krumme Absichten tu verfahren.

An dem Aliment des von Cronstettischen Stiftungshauses ist nunmehro diese Woche auch der Adler angeschlagen worden. Mir wer­den die Adler hinten und vorn am Zwinger gut stehen, wenn ich nur des unverrückten Genusses des Zwingers versßfhert bin. Ich habe ja aus freyer Wahl auf dem Siegel der Fundation den ^Ider mitgenom