Mon Frere!
Mein letztes war vom 15 ten hujus.
Ich werde täglich angegangen um/i den Druck des Instituti zu beschleunigen, und hat Fräul.v. Cronstetten Pfaffen-Testament die Leute aufs neue in Bewegung gebracht, da sie hoffen bey mir werde etwas klügeres herauskommen, wie, so Gott will! auch geschehen wird. Ich bitte deshalben die Praefation so bald, möglich, in das Werk zu richten. An Beyträgen zu dem Bürgerspital wird es gewiß nicht fehlen.
Unsere Rathsherren haben den Nürnbergern ihre Spanische Tracht nachzumachen sich vorgenommen, sie tragen die Degen jetzt schon bey den Mänteln, und ich sagte letzthin einem von ihnen: Damit sie complete Bedanten und Jeaas Po^tages würden, müssen sie noch die exemplarische Nürimbergische Peruquen mit dazu nehmen; Verstand, Redlichkeit oder einen guten Kopf und Hertz hä&ten sie eben nicht nöthig, damm% mit der Tummheit und Bosheit komme man bey unseren Tagen am besten fort. Der Kayserl. Hof legt selbst die frembde Kleidungen ab und wird teutsch, und wir Narren wollen sie erstlich anlegen. Daß sind mir wohl rechte Bubenhändel der jungen Rathsherren und Mr. Grimmeisens. ^
Eine neue Medicinische Polizey müssen wir mit der Zeit hier npthwendig haben, damit auch das Institutum selbst dadurch gebessert werde. Senatus besteht aus eingebildeten, stoltzen, tummen und boshaften Leuten, und verdirbt alles, da er Medica Medicis nicht überläßt, und despotice durchgreifft. Es kann beyd/os bey- sammen stehen, daß Medica Medicis bleiben, und die Obrigkeit auch Obrigkeit. Videant Stanislei Medicinische ordonaries in dem neul. gedachten Recueil etc. Wenn aber der Schöffen Rath, da von dem Medico einem Patienten, der der Manila nahe ist, das Weintrinken verbietet, per Decretum das Weintrinken erlaubet, so meritirt er, wie ich es gemacht habe, daß man ihm die Leute mit den Uringläsern auf die Revire schickt, den Urin zu besehen, weil Er medicinische ordonances, die niemand als dem Medico domestico zükommen. Frater Senator kann vielleicht einmal in dieser Sache Dienste thun, und ich muß sehen, wie ich ihn etwa dazu bewege. Bey hiesiger Instanz wird nichts ausgerichtet, und müssen wir nothwendig den Handel nach Wien spielen. Solang ich bey dem Physicat bin, ist von unserer Seite gewiß kein Schelmenstück passiert, aber wohl manche, die von der anderen S6&te Kommen, vernichtet worden, wovon ich Proben geben könnte. Weilen wir nun fest an den Gesetzen halten, und nicht mit gottlosen Regenten und Pfaffen in ein Horn blasen, wie die Schelmen wollen, (dann das giebt etwas 7^%%<*ges von Betrag wenn Theologi, Juristen und Medici darüber eines sind) so sind sie uns feind. Gott ist aber stärker als der Teufel, und wird uns schon durchhelfen. Ich muß auch sagen wie Haarich Kunrath, der Mon Frere bekannt ist: diaboli et ejus
Das geehrte vom 12 ten hujus erhalte, da eben so weit bin.
Herr Profess. Waldin zu Marburg Diss. de Habitu/hg, Fundatmonis