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'Mon Frere!
Das geehrte vom 29 ten octobr. habe jetzt zu% beantworten mit dem Vermelden, daß mein letztes vom 4 ten hujus gewesen.
Herr Raspe sagte mir, er habe an Mon Frere selbst geschrieben Der Bruder hat mir Mon Frere Schreiben an Ihn vorgelesen und die übrige Beylagen ad Acta gegeben, welche wir uns zu Nutz machen wollen. Ich bin vor den gegebenen guten Rath sehr verbunden. Ohh- geachtet der Terminus ortidui schon 2 mal verstrichen ist, sehe doch von dem Advocato Fisci, Dr Textor, noch keine Antwort auf des Bruders Gutachten in der Zwinger Sache. Obschon der Bruder etwas hart geschrieben, glaube doch daß es hier nichts werde zu bedeuten haben, weil die Hertzen mit Lumpen gefüttert und furchtsam sind.
Da wir 3. Brüder hoc in causa vor einen Mann stehen, wird man wohl nicht viel Wesens machen.
Der Rath hat wirklich dem Syndico Grimmseisen schreiben lassen, daß mit Ende Novembris, so er sich nicht stelle, man zu einer neuen Wahl eines Syndici schreiten und ihm den Abschied geben werde. Ich höre sein hier hinterlassenes Hausgesinde leide Mangel, und habe sich an den Rath gewendet. Item, als man letzthin in seinem Logis die Acta abgeholet, haben sich importante Tomi aus dem Archiv nicht gefunden, die er mit nach Wien genommen, e.gr. Acta Cathol&cos conceraentia antect post Tranpectionem Civicam, von Bestellung eines Stadthalters allhier sub Caesare Matthia etc.
Wer weiß auch, ob. er nicht auf andere Weise an seinem Vatterland treulos gehandelt und den Stoff herge]geben zu der jetzigen Reichs- fiscalischen Handlung Oberrad, Bornheim und. Hausen betref., welche in der Zeit, da er zu Wien ist, rege geworden. Solches desmarches und desperations coups sind von einem so delabrirten debauche am Ende.gar wohl möglich, und was mögen andere Gerngroße junge Rathsherren hiebey vielleihht noch beygetragen haben? In Summa unsere Stadt ist in bösen Händen, und Gott wolle sich ihrer annb&hBBR
Das v Cronstettische Freseniische Neue Testament betref. muß noch melden, daß dadurch das alte v.Lersnerische vernichtet worden v.Lersner scabigus starb 1753.8.Marti, und Fresenius feyerte nicht mit seinem Testament, lies sich alle Tage nu der Fräulein tragen, und brachte schon am 11 ten May eodem selbiges zu Stand, soll auch alsobald ein wichtiges Trinkgeld gezogen haben in aller Stille. Herr v.Lersner hatte sich 25000 fl, alles Silber, so 3.Centner ausmacht, und alle Juwelen, die auch beträchtlich, zugetheilt; das alles fiel durch das neue Pfaffen-Testament weg, und die v.Lers- n^erische Familie ist abscheulich darüber aufgebracht.
Bey dem Pfeifergericht in der Herbstmesse bekommt jeder Schöf: und der Schulthieß, nach einer alten Stifftung einen Goldgulden; den nunmehro 77.jährigen Syndicum Burgh verdrösse es daß die Syndici, welche die Arbeit thun, nichts bekommen, und daher stifftete er auf die Rechney jetzo fl 500. damit jeder Syndicus eben soviel empfange.