Mon Frere!
Mein letztes, worinnen das geehrte vom 1 ten hujus beantwortete, war vom 7 ten.
In der Zwinger Bache hat der Bruder eine Deducation in forma relationis gemacht, welche 12 und mehrer Bogen ausmacht. Weil es diese despotische Herren in einer milden Stifftungs Sache so spitz gegen mich nehmen, hat er es auch spitz genommen, und ihnen die Zäsur gewiesen, ist in die Origines der hiesigen possessionem eingegangen und hat Sachen gesagt die manchem nicht angenehm seyn werden. Sehen sie was man sagen kann und wollen sich hernach zu einem guten Vergleich bequemen, soll es mir lieb seyn. Sonst geht die Sache an den Reichshofrath, vor welchen sie, nach des Bruders Meinung gehört, und nicht auf Universitäten. Wollte Mon Frere an Herrn Schöffen v Ohlenschla^er, der auch einer von den Despoten ist, und die Sache gegen mich pressirt, schreiben, und bey ohnehin stets dauernder correspondenz von Ihm des Schöffenraths Vorhaben vernehmen, sollte es wohl nicht übel gethan seyn. Den Zwinger braucht die Stadt gar nicht, und zur Zeit der Frantzösischen Ein- quartannng ist die Canonen zu führen kein einziges Stück davon gebraucht worden, weil sie alle ohngepflastert sind, und die Canonen bey Regenwetter eingesunken wären. Vermiethet man sie an Seile so giebt ein solcher, wie der meine, jährl. 3.4 fl; aber wäre ein großes Geschenk zu meiner Stifftung und zu dem BürgerHospital!
Des Bruders Deduction wird Mon Frere in Copia bekommen, u. sodann bitte mir das sentiment davon aus.
Künftigen Montag den 13 ten hujus wird hier Herbst seyn, und man hoffet einen guten Wein, da meist alle Traube wohl zeitig würden, und man nach langwieriger Dürre und Hitze zuletzt mit einem Donnerwetter noch einen guten nicht allzu heftigen Regen bekommen hat.
Unter allerseit. gehors. Empfehl. bin allzeit
T.
Ff den 11 ten octobris 1766