Mon Frere!
Mein letztes war vom 6 ten hujus, und Mon Frere geehrtes vom 2 ten, samt dem unter meinem Couvert gegangenen Brief an Herrn v. Ohlenschlager, welche heute empfangen ^ahd bestellt habe, sind wohl eingelaufen.
Vor die gütige Bemuhungw3%ge& meiner Schuld bey Darmstadt a 11000 fl bin sehr verbunden, und hebe das davon handelnde Schreiben auf, um seiner Zeit neue Erinnerung zu thun.
Was machen denn Se Hochwürden und Gnaden der Herr Renatus? jetzt kann er XKKKE hübsch singen und beten lernen üm die Gebühr. Ich erwarte die versprochene Abschrift des Diplomatis CaesariJ über seine Pr^ces. Item die Anweisung an Rag^e vor das 2 ten Vol. Corp.Juris German., davor aufs neue zum Schuldner werde.
Wir wollen doch sehen wozu Herr Graf von Pergen dem Grimmeisen wird behülfkich seyn können.
Herr Hofrath Hilchen zu Friedberg ist vorige Woche nach einem
1/4 jährigen Lager an der Wassersucht gestorben, wie Mon Frere aus dem Sterbehaus wohl wird berichtet worden seyn. Hier hat die Cicu- ta und andere gifftige Mode-yKräuter, die er in Menge gebraucht, nichts gewirket.
Hier haben wir mit Anfang der Messe einen Banqueroute von einem Wechselhändler, namens Schröck, aus Wien, dessen Vatter dorten noch lebet. Er ist des Matth Belii, der Historiam Hungarico geschrieben hat, Enkel. Vier Monate hat er gehandelt und gleichwohl 34 000 fl Schulden gemacht. Der Fürst von Fulda wollte ihn arrestirt haben, er dachte aber: Ex ca mal^respomdetur; und ginge, ohne Zweifel auf gegebene Nachricht ex Curia um Geld und gute Worte, Tags zuvor weg. Die Leute sagen er sey ein Pietist gewesen und habe die Frömmigkeit zu seinem Betrug gebraucht, wie auch / ser zu weilen thun; quia pietas ad omnia utilis, salva venia!
Es heyrathet nun meines Schwagers, Menco Henrich Mettingh Tochter, nach dem neuen Stylo Fräulein von Mettingh, einen Obrist- lieut. von einem in französischen Diensten stehenden Schweitzer- Regimmht, Namens Mr de Hermäni, aus Strasburg. Ich weiß nicht, ob mein Schwager es nicht hätte besser machen können.
Artig ists, daß wir hier jetzt auf einmal Bamqueroütiers in allen Facultäten haben. In der Theologischen den Lutherischen Pfarrer Keller; in der Juristischen Grimmeisen, und i'j der M/edi- zinischen Gladbach.
Unter allerseit. gehors. Empfehl. bin allzeit
T.
Ff den 9 ten Sept 1766