Mon Frere!
Nach dem geehrten vom 6 ten hujus habe von Mon Frere weiter nichts; mein letztes aber war vom 16 ten.
Jedermann ist hier begierig zu wissen wie es mit Grimmeisen stehe. Wien hat, weiß die gantze dortige
daß 3<ah die Schulden
von h&ri weggetrieben, und er dorten
Stadt,
nicht leicht etwas ausrichten werde. Wer ihm aber Geld forsirt, ist hier ein Geheimnis. Von denen geheimen^ Ausgaben kann ihm viel l&icht durch seine partisans im Rath etwas zugeworfen werden. Vielleicht thun auch die salva venia Hochadeliche Häuser Limburg und Frauenstein etwas, um ihre alte oder auch eine größere Hoheit si diis placet, durch negotiiren, zu erlangen. Gewiß führt er sein ne gewöhnliche Verschwendung nicht aüs seinem Beutel, darinnen nichts ist, und müssen die Mittel anderswoher^als ans der Luft kommen.
Der Herr Pensionarius Merrmann von Rotterdam ist auf ein kurt zes hier, empfiehlt sich Mon Frere gehorsamst und bittet, weil er jetzt herumschwärme, wenn an ihn zu schreiben jhrwäre, die Briefe nu nur gerade nach Rotterdam laufen zu lassen. Er kommt von Achen und geht über Maintz, Mannheim, Saarbrücken, Stablo und Spa nach Hauß.
Unser Hofrath von Ohlenschlager ist auch^ aus dem Wiesbad wieder hier, und wünscht daß Mon Frere die Cur so wohl bekommen seyn möge als ihm.
Ich wünschte er wäre kein so großer Plasentiar als er ist, da er capalhle ist, um eiteler Ehre willen seinem Vatterland wehe zu thun. Als er vor etlichen Jahren Bau-Deputatus war, haben die Papisten auf der großen Gallen gasse, auf einen Brunnen den geschorenen heiligem Gallum, durch seine Connivenz hingesetzt, und an einem Haar hätte er auch die heilige Elisabeth auf einen ander- ren gebracht. Ich bin aber Ursach daran, daß sie nicht hinaufgekommen, und wenn ich einmal zu ihr komme, dürfte ich wohl von ihr ein schiefes Gericht dafür bekommen. Die Papisten setzten uns gern gratis auf alle Gassen, Brunnen und Brücken ihre Götzenbilder, und gewöhnten die Lutheraner wiederum zu dem Götzendienst, wenn sie nicht besser Acht haben. Mon Frere sieht daraus wie gut Lutherisch ich bin; und selbst Dr. Plitt ^hat mir darüber ein compliment gemacht; das schadet aber dem Separatismo nicht, der in der Wurtzel selbst gut Lutherishh ist.
Vale cum familia et fave
Ff den 19 ten Aug.
1766
T.