Mon Frere!

Nach Abgang meines letzten vom 22 ten hujus, wobey Herrn Leg. Raths Moritzen Deduction die Oberländische Stifftung betrf. lag, erhalte gestern das geehrte vom 19 ten.

Ich wünsche von Herzen, daß nach dem Gebrauch des Badener Bades alle incommodite an dem ledirten Arm völlig weichen möge, wie sich solches, nachdem so vieles erhalten ist unter Gottes Se­gen ohne Zweifel ergeben wird.

Mr. Grimmeisen wird solchergestalt ohne Zweifel Papistisch werden, ob aber bey ihm der Dr. Luther theuer verkauft werden wird muß sich offenhären. Seinesgleichen nichtswürdige und treulose Schwätzer hat die Welt in Menge. Einen sauberen Reichshofrath wür­de er vorstellen; ich hoffe aber unser Herr Gott soll das hohe Collegium, uns und ihn davor bewahren. Man weiß nunmehro hier, daß er in Wien allerley, neben seinen privat-Sachen, auch in Stadthän­deln negotiire, aber auch dieses Gottlob? daß er nicht reussire, und überall nach Würden anlaufe.

Hierbey folgt auf Begehren 1.Ex. des LIII ten Blattes hiesi­ger Gel.Zeitung. Ich habe Schälen durch einen meiner Herren Colle- gen ein present machen lassen. Ich sehe ihn seit einigen Tagen besser gekleidet, und vernehme, der letzt hier gewesene Prinz von Curland habe ihn gekleidet, und in Dienste genommen; welches letzt noch nähre KxiahxaKxscxikx erforschen will.

Vorgestern hat Senatus bey dem Physicat die erste Besichtigun ohne Dr. Gladbach ansagen lassen. Cogitatio^es posteriores priori- bus meliores.

Was wir mit dem Sohn des Sch&rfri^chters ausrichtemn werden, wird die Zeit lehren. Das klügste wäre wohl, Senatus gäbe ihm in­geheim an die Hand hinwegzugehen, denn sonst mögte er ein tröst­liches Gelese zu lesen bekommen. Den Scharfrichter selbst läßta man gegen die Medicinal-Ordnung und alle Vernunft als einen Medi- cum praticiren, und da letzthin ei&er sagte: Ep"sey geschickt und thue gute Curen; sagte ich darauf: Ich versichere, so währ ich das Leben von Gott habe, er habe mehr Verstand und votire besser als Manche Rathsherren, derhalben müßten sie ihn nothwendig in den Rath nehmen. Seine Curen sind nicht weit her, und alles was neu ist macht der Pöbel gros, sonderl. wenn etwas dabey von Schmiera­lien zu gewinnen ist. Ist das genug alle Departemens in derPolicey unter einander zu werfen und alles als eine H^rde Schweine unter­einander laufen zu lassen, so müssen wie wahrhaftig den Scharfrich ten auch in den Rath nehmen. Da war altum Silentium.

Vale cum familia et fave

Ff den 26 ten Jul. 1766

T.