Mon Frere!

Nach Ablauf meines letzten vom 3 tan hujus erhalte das ge­ehrte vom 31 ten elapsi, welches jetzt zu beantworten die Ehre habe. . ^

Es ist nicht wunder, daß bey dem Bruch und Cont&esion des rechten Armes und der Hand es etwas langsam geht, hoffe aber doch eine völlige restitution, die Gott geben wolle. Herr v.Wiesen­hütten willj% das semnige wissen machen.

Was Herrn Assessorem v. Cramer angeht, habe von Herrn Flei­scher noch gestern vernommen, daß er in letztgedachteh Umständen sey. AUein Herr Vice-Cantzler Kortholt, welchen gestern sprach, sagte mir, daß er nicht gantz des Gebrauchs der Vernunft berau­bet sey, man aber wohl an ihm seit einiger Zeit ge wahr werde, daß die Gemüthskräfften in dem vigore nicht seyen wie zuvor.

Herr v.Moser ist von Cassel wieder hiher zurück gekommen, ich habe ihn aber noch nicht gesprochen, welches künftige Woche zu verrichten suchen werde.

Was Senatus bey der Annahme des Italiäners Schweitzer gethan davon in meinem letzten gemeldet habe, daß er nämlich Anfangs in allem abgschlagen, gleich darauf aber alles platidirt, hat er auch gegen des Scharfrichters Hofmann Sohn gehtan, welcher Dians- tag 3. hujus, wie Beylage zeiget,'alles erhalten, was ihm Diens­tag 27. Majo auf das gantz einstimmige Bedenken der Syndicorem abgeschlagen war. Eine solche Kraft haben die Schmieralien, und Factionen, welche &ettt bey uns den Platz der Gesetze eingenommen haben. Dr. Siegner, der durch den Zusatz zu dem Instituto Medico vom 16 ten Decembr. 1765 ein gar großer Feind der Medicorum wor­den ist, hat vor den Scharfrichter alles ihm mögliche gethan; eggt eiväs, über das vorige, und daa läßt der Scharfrichter nicht ermangeln. Physici nebst denen Hedicis haben daher die appellatio ergriffen, welche auch angenommen ist. Wenn Mon Frere mir einen guten Agenten anweisen will, werde solchen nomiren, wann etwa unser Advocat, Dr. Rost noch nicht die Sache einem.. übege n hätte.

So werden wir vexirt, bey allen täglichen schweren Arbeiten und Mühe, die man sich zum besten des Vatterlandes giebt, und K kann auch nicht anders seyn, da cura privati alles ausmacht. Indessen will ich doch nicht nachlassen, vor meine Stifftung so gut als thunlich, zu sorgen. Dabey auch den Feinden gutes gethan wird. Gott wird, wie ich zu ihm hoffe, meine wohlgemeinte Ge­sinnung nicht fruchtlos ablaufen lassen. Herr Vice-Cantzler Kor­tholt und Herr R.Rath Jahn waren gestern mit mir in dem Haus und Garten an dem Eschenheimer Thor, und hatten über die schöne Ge­legenheit eine große Freude.

Beyde empfehlen sich gehorsamst, mit mir, der ich unter Anwünschung alles beständigen Wohlseins auf allen Seiten beständi

T.

Ff den 7 ten Junii 1766