Mon Frere!

Nach meinem letzten vom 31 ten elapsi erhalte heute das ge­ehrte vom 28 ten hujus, samt der neuen Reichs-Hofraths Verordnung und übrigen novis, wovor verbunden und(in Schuldner bin.

Hiebey kommt dagegen ein Raths Decret von hier gegen die frem&de Emissarios und Emigration der Unthertanen, welche ver­öffentlich, da das gantze Reich rege wird, sich bald gantzlich legen soll.

Es ist mir allzeit sehr erfreulich zu lesen, daß Mon Frere Armbruchcur glücklich von statten gehat, und wünsche deren bal­dige glückliche Beendigung. Unser Herr Renatus wird sodann, wie er mir verspricht, der praefation zu dem Instituto Medico un­vergessen seyn, wann Mon Frere nur erstlich den Gebrauch der lae- dirten Hand ^weder erlangt haben wird.

Auf Herrn Grafen v.Pergen Vorwort hat Senatus vorige Woche des Italiandrs Alosina Tochtermann Namens Schweitzer, mit 8 Kin­dern,gegeg^ Erlegung fl 2000. zum Bürger angenommen; was weiter in die Nebenbeutel gefallen, da er sich verlauten lassen, dieser Sachen wegen fl 10000 anzuwenden, weiß man nicht. Alexander Bart, ein Reformirter Kaufmann, wurde Bürger mit 3. Kindern vori­ges Jahr in der 20 fl Fuß Zeit, gegen Erlegung Fl 4000. So favo- risirt man den Papisten, die uns endlich allen über die Köpfe wachsen werden. Unser Bruder ist auch dabey geschäftig gewesen. Wo wird esguedlich hinkommen, da wir, was wir gutes haben, so liederlich versetzen, wann nur von diesem und jenem ein Vorwort eingeleget wird. Vormals ginge es gantz anders, aber jetzt ist bey Syndici Grimmeisen et sociorum Überlegenheit alles schänd­liche möglich. Durch solche krumme Wege, wollen sie krummen Sa­chen Fortgang verschaffen und bringen sich, alle Mitbürger und Machkommen in Unglück. Dii meliora!

Vale cum familia et fave

T. .

Ff den 3 ten Junii

1766