Mon Frere!
Das geehrte vom 16 ten hujus ist zu meinen Händen gekommen.
Mon Frere wird nun die Herrlichkeiten von Wieh sattsam genossen hab ben, und ich bin gleichfalls vergnügt, daß ich sie hier in der Ferne ansehe. Nächstkünftigen Bonntag werden wir auch allhi^r ein Hochzeit liches Freudenfest haltet. Was meine Medizinische Stifftnng betrifft verlange desfalls von der Stadt keinen großen Dank; mir ist genug, wenn ich gethan habe was recht ist, und unseren hiesigen Beschnittenen und getaufften Juden in mea sphera ein gutes Exempel gegeben habe. Der Welt Undank, der nie ausbleibt,^muß uns vom Wohlthun nicht abhalten. Der Freund so mir an Randen gsvesen, ist Räthsherr Dr, Siegner, und mit ihm noch andere ex Senatu die von ihm mit zu Rath gezogen worden. Daß solche Leute vom Eigennutz nicht ganz frey seyen glaube ich gar gern,'*i*c*h''sehe es* auch aus deren eguivoques, die mit in den Aufsatz eingeschlichen sind. Ich konnte aber "anfangs nicht viel Wesens machen, weil die Annehmung (von welcher den mir behän- digten Schein in Copia mit beylege) selbst difficultirt worden ist, und mir es alles eins war, ob ich mein zu diesem Endzwecke einmal festiglich bestimmtes Gled selber in Händen behielte, oder ob es in Obrigkeitlichen Händen bliebe, welches letzte mir fast lieber war. Da ich annoch, solang Gott will, bey Leben bin, und mir Vorbehalten, Zusätze zu machen, kann dabey noch Rath seyn, wie ich hoffe.
Ich bitte mir den versprochenen Aufsatz von Mon Frere mit Gelegenheit aus, wie auch annoch Anmerkungen zu dem gantzen Instrumente, wo Mon Frere meinen passdi zu begegne^ nöthig findet,,zu machen, damit Misbräuche so gut möglich verhüthet werden können; denn alles
krumme gerad zu machen ist in dieser beschissenen bösen Welt nirgend
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wo möglich.
Senatus et cives haben nun von mir schon 95200 fl baares Geld in alten Batzen in Händen und ich will gerne, wenn es mir so gut werden will, die Sache selbst in den Gang bringen, die ich in dem Instrumento auf meinen Tod gestellt habe, weil ich auf den morgenden Tag nicht rechnen kann.
Das v.Kaibische Haus hinter der Rose habe ich mir ausersehen, wann ich es von dem von Kaibischen lochtermann, Hernn von Gunderrode welcher auf der Eschenheimergasse das von Moh fische Haus vor