3) Vfie es diesmal mit der Lesse aussieht. Was du etwa davon gehört hast.
4) Vtts du etwa ferner* von r.ilheimen vernommen hast? Ich glaube er thate besser zu bleiben wo er dermalen ist und lieber in den Kerbstferien Euch zu besuchen, da es zwischen Goettingen und Frankfurt jezt wohl nicht mehr recht gut reisen seyn mochte.
Kina war heute, am Gründonnerstage, zum heil. A- bendmahle. Sie ist so rund und gross, dass du sie kaum noch kennen würdest. Sie trug mir Grüsse an dich auf, und macht mitunter den geheimen Schreiber ihres Vaters.
Leider wird nun auf dem grossen Platze vor unserer Wohnung gewaltig exercirt. Denn alles was nur dazu gebracht werden kann, muss onne Gnade zu den Walten greifen, und wenn Wilhelm hier wäre, würde er wahrscheinlich auch dazu genüthigt seyn. Indessen ists wohl gewiss dass weder Russen noch Preussen unser Bayern angreifen werden. Was man vom Einrücken derselben in unser Land sprach und schrieb war grundfalsch. Wir* sind so ruhig und sicher wie in S Abrahams Schcoss. Auch von Oesterreich haben wir gar nichts zu besorgen. Keine besten Empfehlungen an Herrn und Frau Doctor Engelmann- von deinem dich liebenden Vater
S.Th.Sg.
Kannst du ungesäumt ein paar Worte an Wilhelm dazu schreiben so thu’s doch, wenns nicht gleich gehen kann so lass den Brief deshalb nicht liegen, sondern gieb ihn gleich auf die Pest.
ocOoo
München d. 22 April 1813.
Meine liebe Tochter!
Der gute Onkel schickt mir
nächstens einige Pflanzenableger. Solltest du nun etwas an mich zu schicken haben, so ginge das alsdann in einem hin, wie ich ihm auch geschrieben habe.
Indessen wirst du meine Zeilen vom 18ten erhalten haben.- Dass Wilhelm dir geschrieben hat, meldet mir der Onkel. Du wirst dich nun trösten, ihn erst den Herbst zu sehen, wo gewiss alles ruhiger und muntrer seyn wird. Ich will dich dafür sobald es nur weniger Truppenzüge in Eurer Gegend giebt, besuchen, denn noch ist es (um ohne die dringendste Veranlassung zu reisen) zu fcauh. Heute, stelle dir vor, waren hier alle Dächer, und der Erdboden dicht mit Schnee bedeckt, auch habe ich wieder einheizen müssen. Dieses ist um so betrübter, de sich schon die meisten Baume und Straucher mit Laub zu zieren anfingen.
Auf dem grossen Platze vor unsrer Wohnung ist alles mit geübt werdenden Soldaten und Rekruten gestopft voll Len sollte glauben ganz München ssy Soldaten toll geworden, wenn nicht alles wie, Ein Muss , still und niedergeschlagen aussahe. Ginge es gegen die Franzosen, so würde vermuthlich alles lebhafter sussehen. Ich höre dass sogar die armen Mainzer- auf Erlösung hoffen von ^hrem harten Joche.
Mit Liebe
Dein Vater S.Th.v.Sg.
ooOoc