Antwort. Dann schrieb ich am 19ten an Wilhelm nochmals, und den Olsten auch an Hn Ritter habe aber von dem richtigen Empfange aller dieser Zuschriften noch nichts vernommen. Es scheint der Posten Lauf erfolgt viel langsamer zwischen München und Geneve als zwischen Geneve und Frankfurt. Hast du etwas von der Ankunft des Telegraphen vernommen, so melde es mir doch, nur mit einem, Zeilehen.
Ich gebe weder Wilhelmen noch H Ritter die mindeste Schuld, weil ich ganz gewiss bin, dass sie mir auf der Stelle geantwortet haben würden. Es ist betrübt, so lange auf Nachricht harren zu müssen, da die Entfernung doch gar nicht gross ist und man fast aus Petersburg in der Zeit Antwort haben konnte. Der Erief welchen er dir meldet von mir empfangen zu haben, war vermuthlich der vom 25sten October, denn den vom 26 August hat er mir selbst gemeldet. Schreibe ihm doch dass er dir das Datum meiner Eriefe künftig zugleich anzeigen mochte.
Vorjezt schicke ich dir
1) Wilhelms schonen und trefflichen Brief an dich, der des sorgfältigen Aufhebens wohl werth ist.
2) Drey Ducaten, zum Christgeschenk, weil ich nicht wissen konnte, was du etwa gern hattest, oder brauchtest. Ein Dukaten gilt hier zum wenigsten 5fl30kr gewöhnlich noch mehr. Vollwichtig sind sie, da ich sie unmittelbar aus der hiesigen Münze empfing.
3) Sin Büchelchen über Tyrol. weil ich nicht ohne Büchelchen bequem das Geld verwahren konnte.
4) Ein Kalenderchen fürs kommende Jahr.
5) Zum Srasse, ein paar von Frau v. Greyers (geb.Förster) aus Günzburg, meiner Pathe ausgeschnittene Bilderchen.
Erkundige dich doch gelegenheitlich bey der Tante ob noch ein Kistchen Russischer Wachslichter zu haben ist und ob sie mit solchen besser als mit den Offenbecher Lichtern zufrieden sind. Es hat darüber mit der Antwort keine Eile. Lebe wohl, heiter, und fleissig. Mit herzlicnste* Liebe Meine Einzige Tochter Dein Vater
S.Th.Sg.
Hn
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Die besten Empfehlungen an Frau Engelmann
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M(ünehen). d. 19 Dec 1811.
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Ich schreibe dir heute Meine gute Tochter! um dir nur zu melden, dass H Ritter mir dis glückliche Ankunft des Telegraphen in Geneve gemeldet hat. Er ist ganzer drey Wo- chen^unterwegs gewesen und der Brief noch 10 Tage obendrein Wir können also nun unbekümmert seyn. Wilhelm hatte billig wohl auch schreiben und nicht alles dem lieben H Ritter überlassen sollen. Ich wünschte dass er in treuer und genau er Besorgung deinem löblichen, mir höchst angenehmen Bey — spiele folgte. Diese Liebe zu deinen Eltern, denn auch die seelige Mutter rühmte diese schone Eigenschaft an dir - wird dir gewiss eigenen Seegen bringen.
Du wirst indessen das Päckchen vom verwichenen Sonntage erhalten haben. Schreibe mir doch ob du meine Hand schrift leicht lesen kannst?
Ich wünschte H Engelm&nn läse Euch einige Stellen aus Goethe’s neuster Schrift «aus meinem Leben« vor, die Euch gewiss sehr unterhalten werden. Empfiehl mich seinem und seiner Gattin Andenken.