München d 16 December 1610

Hier Meine Geliebte Einzige Tochter! kommt der Kinder-! reund und des Röllchen Kur f erstiche, welches du iiiz lezthin verlangtest. Ich lege einige Bayrische Thaler bey, demit Du dir etwas zurr. Christtage ansch&ffen mögest. Da ich weder die Mode zu Frankfurt, Doch deinen Geschmack kenne, so konnte ich Dir auch nichts von Kleidungsstoff von hier aus schicken, und zwar umso weniger, als hier dermalen al­les genau visitirt wird, (welches freylich den Bayern etwas ganz neues ist) damit kein Kandel mit Englischen Wearen ge­trieben werden möge.

Mlle Schßcht legt dir ein Beutelchen von Ihrer Arbeit bey. Wenn du irgend etwas gerne hattest, so schreibe es mir gerade zu oder sage es wenigstens deinem lieben Bru­der, ich w'ili es Ja recht gerne besorgen.

Wilhelm, der vortreffliche Oheim, und Herr Ritter geben mir die angenehmsten Nachrichten von deinem Wohlbe­finden, und von deinem guten Betragen, welches mir das grösste Vergnügen macht. Gieb dir nur alle mögliche Mühe im französisch lernen und Schönschreiben, ich w'ill Ja gar nichts sparen, um dich eine rechte Meisterinn darinn werden zu lassen.

Madame Chardoillet aus Paris ist mit grossen Kos­ten aus Paris hierher gezogen worden, und erhalt das präch­tige Palais aui dem Anger wo Herr von Kartmann wohnt zur Errichtung eines Frauenzimmer Institutes, ich bin Arzt ih­rer Tochter. Wohnte nicht, wie du weisst, der französische Gesandte, K von Schenk und K Ober Med Rath Haberl im Damen­stifte, so hatte sie dieses Gebäude dazu erhalten. Also musst du dich bemühen nichts zu versäumen, damit man mir nicht einst verrücken kenne, etwas, was doch nicht meine Schuld wäre, versäumt zu haben.

Jezt wirst Du denn doch wohl schon die kleine St George gesehen haben? Mina Harnier lässt dich grüssen, sie ist sehr gewachsen; Ihre Eltern ziehen in das neue Grfl. Waldkirch Haus hinter unserm Hause, welches einen artigen Garten hat den sie mit gemiethet haben.

Empfiehl mich Herrn und Frau Engelman*i und sey ferner so brav, und fleissig. Von ganzem Herzen wünsche ich Dir ein frohes glückliches Neues Jahr-!

Dein Vater S. Th. Soemmerring

D. 20. December 1610.

Mein gutes Settchen!

Durch ein mir unbe­greifliches Versehen blieb obiges Schreiben am Sonntage lie gen, ohne den übrigen Sachen beygepackt zu werden.^Doch wirst du deshalb hoffentlich diese Zeilen nicht später er­halten. Endlich scheint es hier denn doch im Ernste Win­ter werden zu wollen - Heute erhielt ich auch des guten On­kels Schreiben vom 17ten, welches mich über- eine ^ungerechte Anforderung von 126 fl völlig beruhigt.

Wir sind hier- sammtlich gesund und wohl.

Erinnere Wilhelmen mir bald zu antworten, dem we­nigstens das Schreiben nicht so schwer fällt als dir.

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