Ich habe 2 artige Zimmerchen auf denen ich meine ganze Studenten-Hausheltung eingerichtet habe; das Essen lasse ich mir um 12 Uhr hohlen und hebe davon für den Abend etwas auf. Ich esse mit einem Schweitzer, der mit mir in Franklurth war und auch hierherreiste zusammen; acht Tage auf seiner, echt Tage auf meiner Stube. Ausser diesem habe ich noch ein paar alte Gymnasiums Kameraden hier gefunden, mit denen ich mich Zusammenhalte; besonders mit dem einen der schon früh viele Talente zeigte und gerade auch Medicin studiert. Bald sollst du mehr von mir hÖhren.

Du kannst deine Briefe an mich dem Onkel geben o- der euch unter folgender Addresse gerade euf die Post geben

Dein WILHELM.

Studiosus W. Sömmerring im Kietwiehschen Hause auf dem Merkte in Göttingen.

ooOco

Göttingen den 21 Oct. 1812 Bestes Settchen

Einen Augenblick nachdem ich den Brief an dich fortgeschickt hatte traf ich zufällig Herrn Leineweber- von Frankfurth der dahin zureiste und die Gefälligkeit: hatte mir diese Päckchen mitnehmen zu wollen. Es ist ein Stück Musselin vom Vater, das ich aus München mitbi achte dann aber- auf dem Boden meiner kleinen Kiste eingepackt lag und so vergase ichs ganz und gar dir abzu­geben. Es konnte sich keine bessere Gelegenheit finden es dir zuzustellen. Lebe also nochmals wohl und grüsse Herr und Frau Engelmann von deinem Bruder WILHELM.

ooOoo

Göttingen den 2f Ncv. 1812 Liebste Schwester

Du bist im Ganzen wohl und

munter-, wie mir der- Onkel schreibt und auch mir geht es hier ganz gut. Mein Studium macht mir viel Freude und wird mir- immer lieber werden, Je mehr ich es kennen lerne. Täg­lich anatomire ich zwei Stunden unter der Aufsicht eines Professors, der mir- zuweilen auch hilft; aber es ist der Vater- nicht, der- alles alles so zart, so ordentlich und reinlich behandelte, wie du weisst (denn du hast ihm Ja manchmal geholfen )dass es eine Freude war ihm nur- zu zu sehen. Es kömmt mir hier auch sehr zu statien, dass ich bey ihm schon so vieles gesehn habe, dessen ich mich Jetzt wie­der erinnern kann, wenn davon gesTrochen wird.- Gestern er­hielt ich wieder einen sehr erfreulichen Brief von ihm der mir-, wie Jeder seiner- Briefe, von der innigen Liebe zu uns und den grossen Aufopferungen, die er unsertwegen so gerne macht, einen neuen Beweis giebt.- August hat mir zweymahl aus München geschrieben und ist nun vermuthlich mit Herrn Bitter und Philirp in Italien. Ich kann dir nicht sagen, wie mich Jedes Wort von ihm freut; in der- Entfernung fühle ich erst den ganzen Werth seiner Freundschaft, da sie mir durch den täglichen Umgang sonst weniger fühlbar war, aber- nun fast unentbehrlich geworden ist. Ich habe hier mehrere alte und neue Freunde gefunden, allein keiner kann mir ihn