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Abschrift e ines Schreibens von G % R. S. /7i. i;. So emmerring in
Frank furt an Br. Dr.Ihn intern.
Hochzuehrender Herr Doctor .
Inden ich^mich der her glichen Aufnahme in dem Hause Ihres weiland hochwürdigen Vaters mit "besonderem Vergnügen und inniger Dankbarkeit erinnere, halte ich es für doppelte Pflicht Ihrem ehrenvollen Zutrauen naoh bestem Wissen und Gewissen zu ent sprechen.
Br.Dr. Robert Frorieps Inauguralsohri ft de Lingua muss ich, was Wichtigkeit des gewählt en Ge genstandes «• Geschick x — lichkeit im Zubereiten, Wahrheit und Deutlichkeit der Beschreibung — Richtigkeit der Abbildungen — Neuheit dargestellter oder versinnlichter Anschauung, gründliche Kenntnis der dazu gehörenden Literatur - Billigkeit in Beurtheilung der Vorgänger - Vorsichtigkeit in der Berichtigung der ihm anders erscheinenden Umstände — Bescheidenheit in der Aufstellung eigener, neuen Bemerkungen und Entdeckungen - anbetrifft, ein lobenswerihes Probe - ja selbst ein Meisterstück nennen.
Da ich überdies den Verfasser persönlich kenne, und er mir mehrere eigenhändig gefertigte, wchlgerathene, vielen Fleiss und Verstand beweisende anatomische Abbildungen vorgeigte und erklärte, so darf ich wohl hinzuseizen, dass mir sein männ - Hohes ruhiges, besonnenes, bescheidenes Benehmen ungemein zugesagt *
Sonach kann ich an seiner vorzüglichen Tüchtigkeit zu einem Lehrer der Anatomie wohl nicht z weif ein. Bedenke ich nun, dass seit zwanzig bis dreissig Bahren wegen Erweiterung der zur Psychiologie gehörenden BülfsWissenschaft en und wegen der schon jetzt unübersehbaren Menge von Schriften, diese Wissen — schaft für einen gewissenhaft Lehrenden in unseren Tagen weit schwerer . für den Lernenden dagegen, wegen Vereinfachung aller Fächer und Sichtung des Unbrauchbaren offenbar weit lei ohter geworden, so erscheint es mir, nebenher, kein geringer Gewinn für Ihre Academie, dass sein Vater ihn mit Büchern, Instrumenten, Präparaten, aus viel jähriger Erfahrung abst rahirten Anweisungen, kurz mit Rath und. That kräftigst zu unterstützen vermag.
Mit gutem Grunde lässt sich also hoffen, dass Br. Dr.
Robert Frorip der Reihe seiner verdienten, berühmten Vorgänger sich bald würdigst anschli essen werde. Bis jetzt, kenne i&i wenigstens , für die erledigt e Stelle keinen empfehlungswürdigeren Candidaten.
Br.v. Zech befindet sich noch zu Paris in ziemlich leidlichen Umständen und denkt Vichys Wasser zu gebrauchen. Ich hatte das Vergnüg en meinen alten Freund am Ende des vorigen Jahres täglich zu b ewundern.
Mit Hochachtung und Freundschaft
* Ihr ergebenst er
S . Th. von Soemnerrzng.
Frankfurt am Mayn dm 16.Maerz 1829.