Mein theuerster

Vater

.. So hat mir die gütigste Vorsehuhg das unschätz­

bare Gluck erleben lassen, Sie nochmals umarmen zu,können, und mein Gluck war um desto grosser je zufriedener Sie selbst mit meinen Handlungen und mit meinen Schicksalen zu seyn schienen. Der Allmächtige hatt Ihre sehnlichsten Wünsche, die sich mit den* Wünschen aller unserer Verwandten vereinigten aufs^vollkommenste erh5ret, und lasset mich seine Gnade vorzüglich inne werden. Auch bis jezt schon wieder habe ich die Srhorung Ihrer .Fürbitten gespüret indem mir meine Reise bis hieher zwar langwierig übrigens doch ganz erträglich geworden ist. - '

Doch Gütigster Vater wo soll ich den' Dank für Ihre mir besonders seit fünf J:hr^n erzeigten so ganz ausser­ordentliche Proben Ihres zärtlichen Vaterherzens hernehmen!

Je mehr ich jeden der zehn in Thorn zugebrachten glücklichen u je staiker einseh, dass dieses alles mehr aus besonderer Zuneigung geschah, als weil Sie zu allem diesem als Vater verbunden zu seyn glaubte* je unfähiger fühle ich mich, auch nur meine Empfindungen hierüber susdrücken zu können. Doch vielleicht ist die Freude über das Glück Ihres Sohnes ein nicht geringer Iheil der Belohnung Ihrer Bemühungen.

Die rcitgebrachten Sachen, sollten nur als geringe Beweise meiner Beschäftigungen dienen, u. wenn ich mich langer in Thorn hatte aufhalten können (wie ich darzu meinen Col'fre wohlbedachtig noch in Goettingen eingepackt hatte) würde ich sie gebraucht haben, um selbst in Thorn meine Kenntnisse zu erweitern, so aber - war es ohnmoglich auch nur ans anfangen zu denken. Einige waren Erläuterungen einiger Stellen in meinem vorigen Eriefe. Inwiefern ich darinn meine Absichten erreicht heben möge, darüber müssen andre urtheilen. Am aller schmeichelhaftesten würde es freylich für mich seyn, wenn ich Ihren Beifall, um den ich mich jederzeit am eifrigsten und angelegensten bestrebet hebe, mir dadurch verschafft hatte.

Meine Reise bis Berlin ist ganz erträglich gewesen. Meine Reise-Gefährten war ausser dem Schirrmeister ein Polnischer H v Avisky (mit dem wir schon bey.der Hinfahrt von Nakel bis Ostrowetzko Bekanntschaft gemacht hatten), der von Ostrowetzko biss Grabionne ging! Von Grabionne biss Berlin war ich nachher ganz allein, ausser einigen kleinen Stationen wo sich bald dieser bald jener, bald ein Jude, bald ein Bedienter aufsezte. Das Wetter wechselte doch mit Regen ab u die Nachte waren empfindlich kalt u wurden des Windes wegen noch unc ngeneiiU^r.

In Carnowo bemerkten wir ein sehr sonderbares Nordlicht, das meist rundum vom Horizont in weissen und rothen Strahlen in die Höhe schoss, u. gl eichstm^im Zenith sich concentrirte. Ich entsinne mich nicht ein ähnliches je gesehen zu haben.