Göttingen d 23. Aug 77

Theuerster Vater!

Ohnmöglich karrn ich mich enthalten, nicht an Sie zu schreiben, wiewohl Sie es mir gewissermessen vorletzt verboten hatten - da Sie nehmlich 1) verlangen Ihnen nicht durch allzu zuö oftes Schreiben beschwerlich zu feilen und 2) man sich auch in Ihorn darüber aufgehalten hat dass ich so fleissig (den zu ofte kann ich es nicht nennen) nach Hausse schriebe; Um als beyden nechzugeben, sezte ich meine Beantwortung einige Wochen ltng &us; In wiefern, mein guter Ville, mich so viel als möglich nach andren zu beque­men, auch Ihnen gefallt, darüber erwarte ich Urtheil. Doch ich will Ihren Brief sogleich, Zeile vor Zeile nochmals durchgehen, und soviel als es meine Umstande erlauben, ihn auch genau beantworten!

Beständig höre ich für mein eifrigstes Bestreben Ihnen Ehre zu machen, nichts, nichts als höchst unverdiente Beschuldi­gungen, nichts als Vorwürfe, die mich wenn ich anders dachte gänzlich muthlos, u völlig niedergeschlagen machen, würdet);

Und nie habe ich eine Aufmunterung, nie einen Beyfell von Ihnen erhalten, denn wes Sie mir zul^ommen lassen - ach - mit welchem ftiederwillen ertheilten Sie es. - Da man s'ich in Thorn moouirte, dass ich unter Wrisberg mich examiniren lassen wollte was konnte ich thun als um einen ehrlichen Nahmen zu behalten, um zu zeigen, dass es mir nicht auf den Decan ankame, mein Examen eufschieben - denn den Vorwurf wür^e ich nie haben ausloschen können; rja Soe mg hat sich unter seinem Gönner examiniren lassen. Sehen Sie diess ist mit ein HaujtGrund gewesen, dass ich meine Promotion auf- .schob. 2) Ich hebe im letzten Brief so positiv als nur'mög­lich gewesen; geschrieben. 3) Sehr t ngenehm ist mir dass Sie mir noch ein Jahr zu Studien schenken wollen - ich will seh-n, dess so mir Gott hilft Ostern 1773 alles mir richtig seyn soll. - 4) An meiner Diss habe ich diesen Sommer nicht gar sehr viel arbeiten können - ich brauche - de sie haupt­sächlich (wie ich im vorletzten Briefe biss zum ekel weit­läufig dargethan habe) mein Glück machen muss, dazu noch ein Vierthel Jahr Zeit, denn ich muss sefbst zeichnen u hebe noch ein paar hundert Bücher durchzugehen 5) ich folge Ihrem Rsthe dass es auf ein Progr nicht ankomme und über­lasse es der Wiilkühr des Decani (entweder Richter oder Baldinger denn jetzt ist Richter Decanus und Neujahr wirds Baidinger) weil ich zu einem Present für hrisberg kein Geld habe. Dafür will ich mir bey der Diss desto mehr Nühe geben - 6) Will ich noch einige Collegia besonders mathema- tica geographica u andre gemeinnüztige Collegia hören 7) iäich in Anatomie diesen Winter völlig festsezzen 6) Praxia so viel als möglich ist auch mit allem Eifer betreiben und Botanik keineswegs an d Nagel hangen. 9) Den 22 od 15 Se]tem ber habe ich mir zum Examine ausersehen. - 10) Nach Neujahr: wenigstens vor Ablauf des Januars vielleicht d 28 Januar will ich promoviren. ?1) Sehr viel habe ich sch^n zu meiner Diss aber, lange hicht alles. 12) Habe ich noch nie den