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Göttinnen, d. 15. October {
1774
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Hochzuehrender Papa v #
> Mein letzter Brief aus Lei]zig beschäftigte
sicfi bloss mit der etwas* gar zu sehr en detail gehenden Beschreibung meiner Abreise aus Berlin. Um also zusammenhängend mit dem vorigen zu bleiben ist es nothwendig Ihnen von mpipem Aufenthalt und Beschäftigungen in Leipzig Rechenschaft zu geben. Ich kam gegen neuri Uhr des Morgens nach Leipzig und, nachdem ich meine Gebühren bezahlt hatte führte man mich in das Logie meines Bruders welches;mir gar zu schon und geräumig für einen Studiosura war. Um desto mehr hatte ich mir. Bequemlichkeit und Ordnung in Ansehung der Auskramung meiner mitgebrachten Sachen zu versprechen, - *
welches ich aber anfangs nicht zu thun willens war, weil ich sogleich den folgenden Tag abgehen wollte; und zwar wäre Ich alsdann in einer extra Chaise mit einem gewihsen Hfeupt- mann in würtembergischen Diensten Hn von Lilienstern und einem Holländischen von Adel'von Meulen mit wenigen Kosten und doch mit der grohsten Commodität von Leipzig biss Gotha gereiset; allein auf das eifrigste Zureden meiner Freunde und des Bruders der in so kurtzer Zeit unmöglich mit seinen Sachen fertig werden konte und da er auhserdem noch ein Collegium zu Ende zu hören hatte. Um mich also nicht von* meinem Bruder zu trennen muhste ich mich mit meinem grShsten Fiederwillen über acht Tage in Leipzig aufhalten. Kaum war ich eine viertel Stunde in meinem Logie als ein Acciser herein trat der mich fragte, ob ich etwas acclsbaras.hätte? dem ich aber mit den Worten, Ich wäre ein Bursche und durchgehender Passagier die Thüre wiehs. Ich ging mit dem Bruder so wie hernach täglich zum Traiteur und von da zu dem Alten D Pohl dem ich mich empfahl und den Brief von Hn Professor Henning än den mittelsten seiner Sohne überreichte, er bat uns zum setzen und unterhielt sich mit uns auf eine viertel Stunde; Bey der Gelegenheit st rach ich euch seine Hn Sohne und den in ebendem Hauhse logierenden sehr geschickten Magister Wolf. Den folgenden Tag besah Ich die Universitats Bibliothek und bekam euf derselben den alten Hn D Ernesti zu sehen,s« s-e h-gn, dies ist mir um desto angenehmer gewesen, •da er sogleich den folgenden Tag auf seine Güter auf eine j^eitlang reiste,' auch war es mir vortheilheft ebendiesen xag die Bibliothek zu sehen, weil H Professor Clausing einem ungarischen Grafen die Bibliothek zeigte, wovon ich also pueh Vortheil zog. Ebendenselben Tag ging ich euf die Anatomie und bekam den ganzen Vorrath von praparatis und injieirten Sachen zu seh&n; drauf lihs ich mir das Theatrum anatomicum öfnen und besähe also auch dieses. Des. Abends besuchten uns einige Hn Dantziger als Dosse Wernsdorf Lind- ner Riedel Reell etc. ebendiesen Nachmittag hatte ich auch einen Besuch von de~ Jüngern Hn Pohle bekommen der sich anheischig machte mir Gelegenheit zu verschaffen ins Richterische Naturalien und das Winklerisehe Mahler Cabinet zu kommen. Den Tag darauf ging ich zu Hn Rectore Ernesti, der nach verschiedenen Umständen, meines Vaterlandes erkundigte,
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